So funktioniert das Eigenmarketing für Studierende

Holger Rohde Business Academy Ruhr

Anna Carla KugelmeierStudierende lernen in der Uni – so das klassische Bild. Doch heute müssen sie aus der Masse herausstechen, müssen unter anderem Praxiserfahrung nachweisen. Beides klappt heute nicht mehr, wenn man sich nur auf den Lehrplan verlässt. Vielmehr ist Eigeninitiative für einen erfolgreichen Berufseinstieg gefragt.

Was sieht man von Ihnen, wenn man Ihren Namen googelt? – Sind Sie online präsent? „Gibt“ es Sie überhaupt? Gerade für Studierende ist es wichtig, sich frühzeitig als Berufseinsteiger mit Qualifikationen zu positionieren. Steigern Sie Ihre Bekanntheit, bekommen Sie ein Gesicht, füllen Sie Ihren Namen mit einer Geschichte. Denn Arbeitgeber suchen Sie – entweder googeln sie, weil Sie sich bei ihnen beworben haben oder sie suchen von sich aus geeignete Kandidaten.

Eigenmarketing ist für viele ein fremdes Gebiet. Sich selbst zu vermarkten, klingt fragwürdig. Wie baut man als Studierender seine Onlinereputation gezielt auf? Anna Carla Kugelmeier, seit Januar 2015 Studentische Mitarbeiterin der Business Academy Ruhr und Studentin des Master in Medienwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum, weiß, wie es funktioniert:

Anna Carla Kugelmeier: „Bereits neben meinem Bachelorstudium habe ich zahlreiche Praktika und Fort- bzw. Weiterbildungen absolviert. So habe ich zum Beispiel ab August 2014 ein dreimonatiges Praktikum bei der Business Academy Ruhr gemacht und im Rahmen dessen die Weiterbildung zur Social Media Managerin (IHK) besucht.

In der Weiterbildung war mein Ziel eine strategische Positionierung meiner Person, eben klassisches Eigenmarketing. Ich engagiere mich seit Jahren in der Öffentlichkeitsarbeit eines Verbandes, habe mehrere Praktika in Presseabteilungen von gemeinnützigen Organisationen gemacht. Die Non-Profit-Branche zur Positionierung lag also nahe, aber ich strecke meine Fühler auch gerne in andere Richtungen aus. “

Was hast du aus der Weiterbildung zum Social Media Manager (IHK) für dich mitgenommen?

Anna Carla Kugelmeier: „Als Erstes muss man genau definieren, wer man ist und was man kann. Wir Studierenden, besonders in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, neigen dazu, uns klein zu machen. Wir können aber oft mehr als uns bewusst ist. Wir lernen nicht nur an der Uni, sondern sind zum Beispiel ehrenamtlich aktiv. Soft und Hard Skills kommen also aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Diese Fähigkeiten und Tätigkeiten können wir also auf jeden Fall (soweit natürlich zu unserem Berufsziel passend) präsentieren.

Außerdem bin ich eine große Verfechterin davon, dass Fortbildung nicht erst nach dem Studium anfängt. Deshalb suche ich mir immer wieder bewusst Angebote außerhalb der Universität: Raus aus der Komfortzone und rein in die Praxis. Sei es über Workshops oder langfristigere Angebote wie Weiterbildungen oder Praktika. Deshalb habe ich mich auch für die Weiterbildung zum Social Media Manager (IHK) entschieden: Hier hatte ich die Möglichkeit mein Eigenmarketing strategisch zu entwickeln.“

Wie sieht Eigenmarketing bei dir konkret aus?

Anna Carla Kugelmeier: „Ich nutze die Onlinekanäle sehr bewusst, um mich öffentlich zu positionieren. Wer mich googelt, findet reichlich Informationen zu mir und meinen beruflichen Ambitionen – und das ist gewollt so. Partyfotos hätte man auch ohne die Weiterbildung und das Eigenmarketing von mir nicht gefunden. Für mich, die ich eine Position im Bereich Public Relations / Öffentlichkeitsarbeit anstrebe, liegt es vielleicht noch näher als für andere, mich online zu positionieren. Meiner Meinung nach, lohnt es sich für jeden Studenten, seine Kompetenz online zu zeigen – schließlich googeln potentielle Chefs bzw. deren Personaler.

Hauptnetzwerke für mich sind das Business Netzwerk Xing und der Mikrobloggingdienst Twitter. Aktiv bin ich darüber hinaus auf Facebook, LinkedIn und Google+. Xing und LinkedIn sind nicht nur ein Onlinelebenslauf, sondern dienen vielmehr dem aktiven Vernetzen mit geschäftlichen Kontakten. Durch meine Weiterbildung zur Social Media Managerin (IHK) habe ich auch spezialisierte Netzwerke kennengelernt, wie beispielsweise solche für NGOs oder Journalisten. Twitter, als Echtzeitkommunikationsmittel, ist zum schnellen Netzwerken hervorragend: Hier habe ich schon viele spannende Kontakte geknüpft. Die Twitter-Gemeinde ist in Deutschland recht klein, aber man findet gut Influencer in seiner Nische und kann sich natürlich selbst in 140 Zeichen knackig präsentieren.

Weiteres Standbein des Eigenmarketing sind about.me als Übersichtsseite meiner Onlineaktivitäten und ein kleiner Blog auf wordpress.com. Dort berichte ich zum Beispiel über von mir absolvierte Fortbildungen, um anderen Studierenden Wege aufzuzeigen, wo sie an und außerhalb der Universität praxisnahe Lernorte finden. Das sind die meistgeklickten Beiträge auf der Website.“

Funktioniert Eigenmarketing nur online?

Anna Carla Kugelmeier: „Natürlich kommt man um das Real Life nicht herum: Ich bin auf verschiedenen Netzwerktreffen – vom Twittwoch bis zur BARsession – unterwegs. Da lernt man viele verschiedene, interessante Menschen kennen und kann sich online vernetzen. Das Visitenkartenrondell ist in der Digital Business Branche und darüber hinaus eher out. In welcher Visitenkartensammlung finde ich spontan gemeinsame Kontakte und kann mir notieren, woher der Kontakt so kommt? Lebenslauf und Visitenkarte aller Bekannten legt man sich halt nicht zusammen auf den Schreibtisch – im Netz hingegen ist es völlig normal, beides zusammen zu sehen.“

Die von dir genannten Veranstaltungen sind eher unspezifische Events, branchenübergreifend …

Anna Carla Kugelmeier: „Richtig. Daneben hält man natürlich Ausschau nach branchenspezifischeren Events. Für mich zum Beispiel das Non-Profit-Camp im Januar 2015 in Aachen. Beim nächsten bin ich wieder dabei – und weil ich so fleißig darüber getwittert habe, darf ich dieses Mal im Vorgang des nächsten für eine Woche deren Twitterkanal kuratieren. – Definitiv ein Ergebnis meiner erfolgreichen Eigenmarketingstrategie.“

Wie zeigen sich die Früchte deines Eigenmarketings?

Anna Carla Kugelmeier: „Zum Beispiel durfte ich dieses Jahr beim BDKJ Hagen einen Workshop zum Thema Öffentlichkeitsarbeit leiten, nachdem ich die Organisatorin beim Aachener Non-Profit-Camp kennengelernt hatte. Zudem flattern erste berufliche Anfragen aufgrund meiner Social-Media-Aktivitäten herein – direkt über Twitter. Einladungen zu Branchenevents, wie zum Beispiel Tweetups, bekomme ich inzwischen regelmäßig.

Für mich hat es sich bisher auf jeden Fall gelohnt. Und es ist nicht einfach nur harte Arbeit, es macht vor allem viel Spaß, sich um die eigene Onlinereputation zu kümmern! Und nachdem man sich einmal „häuslich“ eingerichtet hat, kostet es kaum noch Onlinezeit; plus natürlich die Real-Life-Zeit zum Netzwerken.“

 

Holger Rohde als Geschäftsführer der Business Academy Ruhr verantwortlich für die betriebswirtschaftliche Abwicklung und leitet die Agentur. Als Social Media Experte gibt er sein Wissen häufig in In-House-Schulungen und als Speaker weiter.