Spielend Lernen: kompetenzorientiertes Gamification-Prinzip im Onlinekurs

Dr. Marie Huchthausen Online Kurse, Weiterbildung

Lernen ist ein lebenslanger, teils erfüllender, teils sehr steiniger Weg. Manche Menschen empfinden es als Bereicherung, sich immer wieder Neues anzueignen, andere sind beruflich dazu gezwungen. Fakt ist, das Lernen ist aus einer sich stetig verändernden Zeit und Gesellschaft nicht wegzudenken. Bisher gibt es weder den einzig richtigen Weg zu lernen, noch „Tipps oder Kniffe“, die das Lernen erleichtern oder gar ersetzen. Es gibt jedoch Rahmenbedingungen, die das Lernen positiv unterstützen. Das Spielen ist seit jeher ein Bereich, in dem Lernen eingebettet ist und fast nebenbei passiert. Die Spielelemente sollen dabei helfen, das Lernen positiver zu gestalten und besser zu verankern. Das steckt in dem Begriff  „Gamification“. Als Bildungsträger entwickeln wir unsere Lernkonzepte ständig weiter und haben nun das Gamification-Prinzip im Onlinekurs integriert.

Grafik zum Gamification-Prinzip im Onlinekurs der Business Academy Ruhr

 

Die Meinungen über das Lernen und die Erfahrungen damit sind so vielfältig wie das Leben selbst. Dem einen ist das Lernen schon immer leicht gefallen und er hatte viel Freude daran, ein anderer hat das Lernen immer als anstrengend und quälend empfunden. Häufig spielen die Erfahrungen in der Schule eine große Rolle bei der Verankerung des Lernens. Nicht von ungefähr glauben viele Pädagogen, dass die Schule dem Menschen das Lernen abgewöhne. Fest steht: im Erwachsenenalter sind wir geprägt von den Erfahrungen, die wir in der Kindheit und im Jugendalter gemacht haben. Je negativer unsere Lernerfahrungen in dieser Zeit waren, desto schwieriger wird der Zugang zum Lernen auch im Erwachsenenalter sein. Berufliche Veränderungen und steigende Anforderungen machen es jedoch häufig unabdingbar, sich auch als Erwachsener immer wieder Inhalte anzueignen. Das Lernen im Erwachsenenalter ist also häufig beruflich motiviert. So ist es nicht verwunderlich, dass Erwachsenenbildung häufig als „Mittel zum Zweck“ gesehen wird. Als Bildungsträger sind wir also immer damit konfrontiert, komplexe Inhalte so gut zu vermitteln, dass die Teilnehmer ihr Wissen später in der Praxis anwenden können.

Wissen im Digital Business ist immer handlungsorientiert

In den Weiterbildungen, die wir überwiegend in Zusammenarbeit mit verschiedenen Industrie- und Handelskammern anbieten, haben wir es immer mit Inhalten zu tun, die sich stetig wandeln, aber auch einen hohen Praxisdruck haben. Social Media Manager müssen ihr Wissen nach der Weiterbildung häufig sofort in die Praxis einbringen können. Sie müssen wissen, wie verschiedene Tools und Plattformen funktionieren und wie sie in die bisherige Kommunikation des Unternehmens eingebunden werden können. Ebenso verhält es sich beim Online Marketing Manager, der wissen muss, wie er seine Homepage suchmaschinenoptimiert, wie er einen Newsletter aufsetzt und mit Agenturen kommuniziert. Ein eCommerce Manager muss direkt nach seiner Weiterbildung in der Lage sein, einen bestehenden Onlineshop zu optimieren oder einen neuen aufzusetzen. Alles nicht ganz einfach, wenn man häufig mit Teilnehmern zu tun hat, die mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen Weiterbildungen besuchen. Während ein Teil schon über fundierte Erfahrungen verfügt und die Weiterbildung nur besucht, um ein Zertifikat als Beleg seiner Kenntnisse zu erwerben, steht ein anderer ganz am Anfang und kommt ohne ein Vorwissen in die Fortbildung. Daher haben wir uns als Bildungsträger sehr früh entschieden, einen Praxis-Anteil in unsere Weiterbildungen zu integrieren.

Praxis findet online statt

Unsere Praxis-Anteile finden immer online statt, denn die Weiterbildungen, die wir anbieten, sind in diesem Thema angesiedelt. Die Absolventen arbeiten also später auch online. Sie setzen Kommunikation auf Social Media Kanälen um, entwerfen Google Anzeigen, werten ihre Newsletter aus oder betreuen Online Shops. Demnach ist es nachvollziehbar, dass wir die Praxisaufgaben nicht in Präsenzunterricht integrieren, sondern losgelöst von Unterricht auf einer Lernplattform umsetzen. So können die Teilnehmer einen Teil ihrer Weiterbildung (oder die gesamte Weiterbildung, denn wir bieten auch reine Onlinekurse an) flexibel gestalten. Sie haben immer eine Frist, bis wann sie ihre Praxisaufgaben erarbeiten müssen, und bekommen daraufhin fachliches Feedback. Man muss die Inhalte der Weiterbildung also gleich in die Praxis bringen und bekommt von einem Fachexperten eine Rückmeldung. Unsere Teilnehmer nehmen dieses System sehr gut an, wie unsere Bewertungen auf Google oder Fernstudiencheck zeigen. Allerdings hat uns schon immer geärgert, dass wir bestimmte Lernaktivitäten nicht positiv einbringen konnten. So bestand das Lernen immer aus dem Erarbeiten von praxisorientierten Anwendungsfällen. Wie viel jemand gelesen hatte oder ob jemand die Lösung von anderen kommentiert hat und damit wichtige Lernanstöße gab, blieb immer im Bereich der Freiwilligkeit.

 

Gamification-Prinzip im Onlinekurs als Lernprinzip

Lernsituation im Gamification-Prinzip im Onlinekurs der Business Academy Ruhr

Als wir auf das Gamification-Prinzip im Onlinekurs gestoßen sind, haben wir schnell erkannt, dass wir damit den Motivationsfaktor beim Lernen erhöhen können, weil wir Teilleistungen sichtbar machen und damit auch verschiedene Lernaktivitäten fördern konnten. In der Gamifizierung geht es darum, Punkte zu sammeln, Level zu erreichen, zu sehen was man erreicht hat, sich an seinen (Teil)Erfolgen zu freuen und auch untereinander zu messen. Und was in Spielen motiviert, kann natürlich auch das Lernen fördern. Daher haben wir unsere Lernplattform erweitert und das Gamification-Prinzip im Onlinekurs integriert. Die Teilnehmer erhalten nun Punkte (sogenannte XP) für bestimmte Lernaktivitäten: Punkte für das Lesen von Texten, Punkte für das Zusammenfassen von Inhalten, Punkte für das Kommentieren von Beiträgen anderer und natürlich weiterhin Punkte für die Erarbeitung von Aufgaben. Allerdings sind die Punkte nicht gleich verteilt, sondern gewichtet. Je komplexer eine Lernaktivität ist, desto mehr Punkte hat sie. Die Erarbeitung einer praxisorientierten Aufgabenstellung hat die höchste Punktzahl (30XP), die niedrigste Punktzahl bekommt man für das reine Lesen (1XP). So sammelt man während des gesamten Lehrgangs Punkte und kann damit in verschiedene Level aufsteigen. Das heißt: je mehr man macht, desto tiefer wird der eigene Kenntnisstand ausgebaut und desto höher ist auch das spätere Praxislevel. So können die Teilnehmer selbst beeinflussen, welches Kompetenzlevel sie im Kurs erreichen. Teilnehmer mit zahlreichen Vorkenntnissen können das höchste Level sicherlich mit weniger Anstrengung erreichen, als reine Anfänger. Neulinge haben aber ebenso die Möglichkeit aufzusteigen, wenn sie mehr Zeit und Energie investieren möchten. Der Weg nach oben ist keinem verwehrt, man muss jedoch auch nicht immer das höchste Level anstreben. Dem ein oder anderen wird es ausreichen, mit dem Basis-Level abzuschließen.

Die ersten Lehrgänge nach dem Gamification-Prinzip im Onlinekurs werden wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse münden in eine Masterarbeit im Bereich eEducation und die Weiterentwicklung des Konzepts. Wir sind gespannt, wie die Teilnehmer auf die Veränderungen reagieren und freuen uns auf diese Weiterentwicklung des Lernens!

Interessiert an einer Weiterbildung nach dem Gamification-Prinzip im Onlinekurs?

Zunächst werden in einer Testphase zwei nebenberufliche Weiterbildungen gamifiziert angeboten:

Dr. Marie Huchthausen beschäftigt sich als Didaktikerin und Erwachsenenbildnerin seit knapp 20 Jahren mit eLearning und digitalem Lernen. Als Geschäftsführerin der Business Academy Ruhr ist sie verantwortlich für den Bildungsbereich. Sie gibt ihr Wissen rund um das Thema Digitalisierung in zahlreichen In-House-Schulungen und als Speakerin weiter.