Chatbots in der Weiterbildung und KI in der Erwachsenenbildung

Milena Droste Online Kurse, Weiterbildung, Wissensmanagement

Erst vor Kurzem ging es durch die Medien: Schüler nutzen Platformen wie YouTube für ihre Bildung und zum Vertiefen von Lerninhalten. Dies brachte eine Studie des Rats für Kulturelle Bildung e. V. zutage. Das Prinzip der Lernvideos ist nicht neu. Moderne Lehrmethoden gehen jedoch über den reinen Konsum von digitalen Lerninhalten hinaus. Der neue Trend heißt: Chatbots in der Weiterbildung.

Was versteht man unter künstlicher Intelligenz (KI)?

Chatbots in der Weiterbildung - eine junge Frau lächelt einen Roboter bzw. eine künstliche Intelligenz an, die sie in der Bildung berät

Beinahe menschlich wirken die künstlichen Intelligenzen

Die Zuordnung des Begriffs „Intelligenz“ allein ist bereits nicht einfach, da es keine eindeutige Definition gibt. Das lateinische Wort ‚intellegere‘ heißt übersetzt so viel wie „erkennen“, „einsehen“, „verstehen“, wörtlich: „wählen zwischen“. Als „künstliche Intelligenz“ werden in der Informatik technische Systeme betrachtet, die in ihren Eigenschaften und Fähigkeiten aus der Perspektive eines Menschen als intelligent betrachtet werden können (vgl. VDI 2018). Diese Systeme sind in der Lage, ihre Umgebung in begrenztem Maße zu interpretieren, können auf dieser Basis Aktionen ausführen und so ein vorgegebenes Ziel erreichen. Man sagt, diese „intelligenten Agenten“ können selbständig Probleme lösen.

Die künstlichen Intelligenzen können also nicht nur im Servicebereich (z.B. Kundensupport), sondern auch in der Bildung eingesetzt werden, um z.B. Teilnehmer durch einen Prozess zu führen.

Was sind Chatbots?

Zunächst ist „Bot“ einfach die Kurzform von „robot“ bzw. „Roboter“. Es handelt sich um ein Programm, welches Aufgaben automatisiert wiederholen kann. Auf diese Weise kann es z.B. Menschen einen gewissen Aufwand abnehmen, den sie sonst manuell vornehmen müssten. Es gibt verschiedene Arten von Bots, wie z.B. den Chatbot, der darauf programmiert ist eine Konversation zu führen, oder den Social Bot, der automatisiert Botschaften in sozialen Netzwerken absetzen kann, oder den Search Bot (oder Search Crawler), der das Web nach neuen Informationen durchsuchen kann (häufig eine Zusatzfunktion von Programmen oder Suchmaschinen).

Im Bildungsbereich gibt es derzeit nur sehr wenige Entwickler, die sich darauf spezialisiert haben, diese Möglichkeiten auf Lehrangebote zu übertragen und effektiv einzusetzen. Jedoch ist dies ein klarer Trend für die Zukunft und die Zahl der Anbieter wird steigen. Das Zauberwort heißt „EdTech“ (Education Technologies) – kein neuer Begriff, aber seit Jahren ein wichtiger ein Trend, der ein nachhaltigeres und effizienteres Lernen fördern soll. Ein Beispiel für einen Lehrenden Bot ist die Web-Applikation „Dori„.

Chatbots in der Weiterbildung – die Zukunft?

Noch sind die Vorstöße zum Einsatz von Chatbots in der Weiterbildung zögerlich, jedoch gibt es klare Tendenzen, dass die KI-gesteuerte Bildung Fahrt aufnehmen wird. Derzeit setzt die Weiterbildungsbranche auf dialogorintiertes Lernen. Chatbots können durch das sogenannte ASR (Automatic Speech Recognition = Spracherkennung) und NLP (Natural Language Processing = maschinelle Verarbeitung natürlicher Sprache) Sprachen erkennen und Fragen beantworten. Man kann sich das sehr gut anhand von „Alexa“ oder „Siri“ vorstellen. Intelligente Lernroboter kann man zudem derart programmieren, dass sie sehr natürlich wirken, sich zum Beispiel räuspern oder versprechen. Dies vermittelt noch mehr das Gefühl, einer wirklichen Person gegenüber zu stehen.

Ein Beispiel für eine „digitale Lehrassistentin“ ist Jill Watson vom Georgia Institute of Tchnology. Beim Sprachen erlernen hilft z.B. duolingo.

Was kann KI im Bildungsbereich leisten?

Ist der Einsatz von Chatbots und automatisierten Lernprozessen reine Spielerei oder etwa nicht mehr als eine Möglichkeit für Anbieter Personalkosten einzusparen? Oder bringt es doch wahre Vorteile für die Lernenden? Dozenten, Professoren und Lehrkräfte können unbesorgt sein: Es geht nicht darum Lehrende durch künstliche Intelligenzen zu ersetzen, sondern darum ihren Unterricht zu ergänzen. Argumente für den Einsatz von Chatbots in der Weiterbildung sind:

  • Bots und Messenger ersetzen Apps. Der Trend geht hin zu Kommunikationstools. Der User möchte nicht mehr lange suchen, er möchte gezielt Fragen stellen und schnell eine Antwort erhalten. Messenger bieten zusätzlich den Vorteil des Austauschs in der Gruppe.
  • Digital Natives werden dort abgeholt wo sie stehen. Wir sind zunehmend digital, egal ob in der Arbeitswelt oder privat. Der Bildungsbereich kann sich dagegen nicht sperren. Die Zielgruppen sind vermehrt online.
  • Den Lernenden wird es möglich, selbst aktiv zu werden. Sie können aktiv mit den Bots interagieren wie mit einem Privatlehrer und sie können erhaltene Informationen und Medien in ihren eigenen Systematiken festhalten und archivieren. Natürlich könnten sie sich auch ohne Bot informieren, aber er steuert den Prozess dahinter, gibt den Lernpfad vor und führt sie an einer ganz individuellen lernkurve entlang, der sie selbst ohne entsprechende Kenntnisse vermutlich nicht gefolgt wären.
  • Die Digitalisierung ist Teil unserer Gesellschaft. Es wäre weder logisch noch passend, wenn z.B. ein Hochschulstudium für einen hoch digitalisierten Arbeitsmarkt völlig analog und mit geringem Einsatz digitaler Technologien und Medien verlaufen würde.
  • Mobile Anwendungen sind weitgehend zeit- und ortsunabhängig und können somit von mehr Teilnehmern genutzt werden, bzw. ist es für Lernende einfacher, sich flexibel weiterzubilden.
  • Unsere Zeit ist geprägt von Schnelllebigkeit und Ungeduld. Egal ob Kunde, Partner, Angestellter oder Lernender: Sie wollen schnell, effizient und komprimiert informiert werden und gezielt passende Informationen erhalten.
  • Das Vorwissen kann durch vorgelagerte Übungen angeglichen werden. Ein Dozent kann optimaler an einer bestimmten Stelle einsetzen, wenn die Teilnehmer im Vorfeld ihrem Kenntnisstand entsprechend speziell auf sie zugeschnittene Übungen durchlaufen und vom Bot Informationen erhalten haben.
  • Individualisierte Inhalte steigern die Zufriedenheit. Teilnehmer mit umfangreichem Vorwissen haben meist wenig Nutzen von Basisübungen und vermitteltem Grundlagenwissen. Sind die Angebote jedoch auf sie abgestimmt, setzen sie dort ein, wo sie mit ihren Fachkenntnissen und ihrer Berufserfahrung stehen, und das fördert den Mehrwert und damit die Zufriedenheit.
  • Qualitative Messungen sind mittels künstlicher Intelligenz präziser als z.B. eine Wissensstandabfrage durch einen Lehrenden.

Einsatzmöglichkeiten von Chatbots in der Weiterbildung

Man sieht eine junge Frau am Computer und ihr Spiegelbild macht die gleiche Geste wie sie. Bei der Nutzung von Chatbots in der Weiterbildung lernen künstliche Intelligenzen dazu und geben die Antworten, die mit höchste Wahrscheinlichkeit zur Frage passen werden.

Chatbots sind lernfähig

Intelligente Systeme können helfen, größere Mengen an verfügbaren Daten und an Wissen derart aufzubereiten, dass sie auf bestimmte Bedarfe abgestimmt werden können. Die Antwort eines Chatbots wird gesteuert von der Wahrscheinlichkeit, welche Antwort am genauesten zu einer Frage passt. Eine weitere Rolle spielt der Einsatz verschiedener Medien und Endgeräte. Besonders Onlinekurse werden zunehmend auf verschiedene Hardware wie PC, Smartphone, Tablet, Notebook und sogar Wearables abgestimmt. In der Lernumgebung kann der Einsatz von Virtual Reality das Lernen und Erleben plastischer machen. Dies allein ist jedoch noch kein Indiz für KI-gesteuertes Lernen.

Konkreter wird es erst bei der Nutzung von Big Data und der Analyse des Lernverhaltens: Durch komplexe Algorithmen werden individuelle Lernbedarfe erkannt und auf den Teilnehmer abgestimmte Lernpfade konstruiert. Diesen Vorgang nennt man „Adaptive Learning„.

Noch nicht richtig ausgereift ist hier zum Beispiel das Erkennen und Zuordnen von Bildern. Ein Kleinkind kann komplexe Objekte anhand weniger Merkmale erkennen und einordnen. Auch in variablen Farben oder aus anderen Perspektiven weiß es, um welches Objekt es sich handelt. Eine künstliche Intelligenz kann das nicht und benötigt ein Tausendfaches an Informationen, um ähnliche Zuordnungen vorzunehmen. Hier stößt KI noch schnell auf seine Grenzen.

Weiterhin wird es komplexer, wenn man beim Einsatz von Chatbots in der Weiterbildung die Aspekte des Datenschutzes betrachtet: Natürlich kann ein Bot nur dann zielführend arbeiten, wenn er Daten erhebt und auswertet. Messenger-Dienste weisen oft Schwachstellen in der Verschlüsselung privater Daten auf. Daher müssen sowohl Anbieter als auch Teilnehmer für den Datenschutz sensibilisiert sein. Anbieter müssen Transparenz und größtmöglichen Datenschutz bieten können. Kunden sollten dies hinterfragen und darauf achten, dass sie selbst nicht allzu private Informationen bereitstellen, sondern wirklich nur diejenigen, welche für die Nutzung des Dienstes erforderlich und hilfreich sind.

Fazit

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz und speziell Chatbots in der Weiterbildung ist ein klarer Trend. Für Anbieter kann dies enorme wirtschaftliche Vorteile haben, wie z.B. die Reduzierung von Kosten und Aufwendungen, das Erreichen einer breiteren Zielgruppe und die Standardisierung der Angebote. Für Teilnehmer bedeutet es ein hohes Maß an Flexibilität und Effektivität durch individuell auf sie zugeschnittene Bildungslösungen, zeitliche und örtliche Unabhängigkeit und den Einsatz modernster Technologien.

Auch Anwendungsentwickler sollten den Markt im Auge haben, denn noch gibt es relativ wenige Anbieter, die sich auf die Anwendung von KI im Bildungsbereich spezialisiert haben.

Es bleibt spannend, welche Dimensionen zukünftig bei der Verknüpfung von Künstlicher Intelligenz mit modernen Medien und z.B. mit Virtual Reality oder Augmented Reality erreicht werden. Im Handwerk könnten Meisterstücke zukünftig nach Anleitung durch einen Bot virtuell angefertig, auf 3D Druckern ausgedruckt und von einem Kommittee auf der anderen Seite der Erde bewertet werden. Wir sind gespannt.

Milena Droste ist Diplom-Betriebswirtin, Social Media Managerin (BAD), Online Marketing Managerin (IHK), Online Redakteurin (IHK) sowie Ausbilderin (AEVO) und Datenschutzbeautragte (FFD).
Im Team der Business Academy Ruhr arbeitet sie als Projektmanagerin und kümmert sich ebenso um interne Prozesse und Strukturen.