Betriebliche Weiterbildung: So finden Sie heraus, was Ihre Mitarbeiter brauchen

Christina Hölscher Unternehmertum, Weiterbildung

Die betriebliche Weiterbildung wird immer beliebter bei den Unternehmen. Sie wird eingesetzt als Anreiz für neue Mitarbeiter oder als Benefit für die bestehende Belegschaft, um sich von anderen Unternehmen abzuheben. Gerade in Zeiten der Digitalisierung ist es unproblematisch, eine Onlineschulung zu genehmigen. Es scheint sinnvoll und hat viele Vorteile. Außerdem profitieren nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Unternehmen von dem Zuwachs an Wissen und Kompetenzen. Oft wird jedoch nicht genau eruiert, welche Weiterbildungen wirklich sinnvoll und notwendig sind, sodass der Wunsch nach einer Weiterbildung meist eher von den Mitarbeitern selbst kommt. Nicht immer sollten Unternehmen diesen Wünschen jedoch nachgeben.

Wie finde ich heraus, wo der Weiterbildungsbedarf am größten ist?

Das Bild zeigt einen Doktorhut und ein Zertifikat. All dies winkt, wenn man die betriebliche Weiterbildung durchlaufen hat

Weiterbildungen sind oft nicht gerade billig. Externe Weiterbildungen können gerne mal ein paar tausend Euro kosten. Gerade wenn das Unternehmen diese Kosten trägt, sollte es natürlich vorher prüfen, ob die entsprechende Weiterbildung für den Mitarbeiter notwendig ist.

Dazu sollte zunächst eine Bedarfsanalyse durchgeführt werden. Das heißt es wird geguckt, welche Kenntnisse und Fähigkeiten für bestimmte Stellen benötigt werden und welche bereits bei den Mitarbeitern vorhanden sind. Man nimmt also einen Soll-Ist-Vergleich vor. Welche Kompetenzen sind für die Ausübung der Tätigkeit notwendig und welche Kompetenzen bringt der Mitarbeiter mit? Welche bestehenden Zielverinbarungen gibt es und besitzt der Mitarbeiter bereits das nötige „Handwerkzeug“ zum Erreichen dieser Ziele? Stellt man hier eine Differenz fest, sollte man handeln, um alle Soll-Anforderungen abzudecken.

In der heutigen Zeit werden diese Differenzen häufig in den digitalen Themen sichtbar. Oft gehen Unternehmen oder Personaler davon aus, dass gerade junge Mitarbeiter fit in den digitalen Themen sind. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Nehmen wir das Beispiel Social Media: Junge Mitarbeiter sind privat oft auf diversen Plattformen vertreten. Jedoch sollten sie die Kanäle aus Unternehmenssicht ganz anders nutzen, als sie es im Privaten tun. Nicht jedes Unternehmen findet es gut, wenn die Fotos der letzten Firmenfeier in einem Album bei Facebook zu finden sind.

Wie ermittle ich die Ist-Situation meiner Mitarbeiter?

Gerade in größeren Unternehmen ist es für die Personalverantwortlichen oft nicht ersichtlich, welches Wissens die Mitarbeiter haben. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine Ist-Analyse für die betriebliche Weiterbildung vorzunehmen.

Die Mitarbeiter selbst oder ihre direkten Vorgesetzten können beispielsweise einen Lernzielkatalog ausfüllen. Hierzu listet man die Kenntnisse und Fähigkeiten, die vorher als Soll-Wert festgelegt werden, auf. Der Mitarbeiter oder der Vorgesetzte kann nun ankreuzen, welche Punkte sie bereits in ausreichendem Maße abdecken.

Wenn es lediglich um benötigte Qualifikationen wie formale Abschlüsse geht, reicht es oft schon, die Personalakte zu befragen. Hier sind die formalen Abschlüsse der Mitarbeiter festgehalten und können schnell geprüft werden.

Bei anderen Themen ist ein tieferer Einblick nötig. Beim oben genannten Beispiel wäre es unter anderem wichtig nicht nur die generelle Social-Media-Nutzung abzufragen, sondern ebenfalls die Erfahrung mit der unternehmerischen Nutzung von verschiedenen Social-Media-Plattformen. Hier kann sogar beispielsweise noch weiter unterschieden werden, sodass auch Unterthemen wie rechtliche Grundlagen, das Monitoring, die Contenterstellung usw. abgefragt werden. Je genauer die Bedarfsanalyse ist, desto gezielter kann man Schulungen auswählen.

Bedarfsanalysen können jedoch auch auf zukünftige Perspektiven eines Mitarbeiters abzielen. Welche Qualifikationen und Kompetenzen muss ein Mitarbeiter erwerben, um beruflich aufsteigen zu können? Sie haben also nicht nur einen kurzzeitigen Wert, sondern können auch für den Karrierepfad eines Mitarbeiters dienen.

 

Fazit für die betriebliche Weiterbildung

eine Mitarbeiterin interessiert sich für die betriebliche Weiterbildung und sieht sich am Cmomputer die Online Angebote an

Wird durch die Bildungsbedarfsanalyse eine Lücke bei mehreren Mitarbeitern sichtbar, kann es durchaus sinnvoll sein, diese im Rahmen einer Inhouse Schulung zu schließen. Bei umfangreicheren Themen bietet es sich aber vermutlich eher an, eine Schulungsreihe zu nutzen. Im Rahmen des zeit- und ortsunabhängigen Lernens kann es allerdings auch sinnvoll sein, auf das digitale Lernen zurückzugreifen. Digitale Lernangebote scheinen auf den ersten Blick nicht unbedingt günstiger zu sein als Präsenzangebote. Allerdings können weitere Korsten wie Fahrtkosten, Übernachtungskosten oder Verpflegungskosten eingespart werden. Auch indirekte Kosten wie die verwendete Arbeitszeit für die Fahrt zum Schulungsort kann man auf diese Weise minimieren.

Nur jedes vierte Unternehmen führt allerdings überhaupt eine Bildungsbedarfsanalyse für die betriebliche Weiterbildung durch. Damit verschenkt man wertvolle Ressourcen, da man viele Mitarbeiter am Bedarf vorbei schult. Bevor Sie eine Inhouse Schulung oder eine Weiterbildung buchen, sollten Sie sicher sein, dass dies auch das richtige für Ihre Mitarbeiter ist! Wenn Sie selbst nicht sicher sind, ob sie eine geeignete Bildungsbedarfsanalyse durchführen können, ist auch möglich, diese extern durchführen zu lassen.

Christina Hölscher ist Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin (B.A.), M.A. in Erwachsenen- und Weiterbildung sowie Social Media Managerin (IHK) und Online Marketing Managerin (IHK). Für die Business Academy Ruhr arbeitet sie in den Bereichen eLearning, Qualitätsmanagement sowie im Projektmanagement.