Social Recruiting: Fachkräftemangel mit Social Media entgegenwirken

Christina Hölscher Social Media Marketing, Unternehmertum

Aktuell haben immer mehr Unternehmen mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen und die Lage wird sich in den nächsten Jahren noch massiv verschärfen.  Wer keine  gut ausgebildeten Mitarbeiter mehr finden kann, versucht sie häufig selbst im Unternehmen aus- und weiterzubilden. Doch selbst wenn das Unternehmen mit guten Ausbildungsprogrammen punkten kann, bleiben Bewerbungen oft aus. Abhilfe können hier digitales Employer Branding und eine Strategie zum Social Recruiting schaffen.

Das Unternehmen muss sichtbar werden

Wie zukünftige Azubis nach Ausbildungsplätzen suchen, haben wir ja bereits in dem Blogbeitrag „Wie finde ich einen Ausbildungs- oder Praktikumsplatz? – Grundsätze zu einer erfolgreichen Stellenanzeige“ dargestellt. Besonders mittelständische Unternehmen und Hidden Champions sind bei den Fachkräften nicht unbedingt bekannt und auch nicht als Marke oder Institution wahrgenommen. Die Tendenz im Social Recruiting geht heute hin zu einer Bewerbung des Unternehmens beim potenziellen Mitarbeiter als umgekehrt von der gegebenen Begeisterung des Bewerbers für den potenziellen neuen Arbeitgeber auszugehen. Hier müssen Unternehmen ansetzen. Sie müssen im Netz sichtbar werden, als Arbeitgeber wie auch als Darsteller der Berufsbilder. Potenzielle Fachkräfte müssen das Unternehmen direkt über die Google-Suche oder bei YouTube finden – und das am besten nicht nur, wenn sie den Unternehmensnamen eingeben. Junge Menschen suchen mit anderen Begriffen als es das Produktmarketing der Firmen oft vorsieht. Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist daher das Stichwort. Unternehmen müssen wissen, wonach ihre Zielgruppe im Netz sucht und sich hier gut aufstellen.

Es macht Sinn, gesonderte Unterseiten (Landingpages) für z.B. Azubis anzulegen. Zum einen natürlich für Stellenanzeigen, aber natürlich auch für Einblicke in den Arbeitsalltag:

  • Welche Aufgaben hat ein Mitarbeiter im beschriebenen Bereich?
  • Wer sind die Kollegen?
  • Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?
  • Welche Vorteile bietet das Unternehmen für Mitarbeiter?

Dies sind Fragen, die für Interessierte essenziell sind. Unter Einbeziehung von sozialen Netzwerken können diese Fragen im Social Recruiting kreativ beantwortet werden. Abwechslungsreicher Content und ein gelungenes Storytelling begleiten den Interessenten auf seinem Weg zur Bewerbung. Ein aktueller Mitarbeiter kann zum Beispiel auf dem Blog berichten oder seinen Alltag im Rahmen einer Story bei Instagram darstellen.
Um Reichweite zu nutzen und als Unternehmen präsenter zu erscheinen, können auch bestimmte Aktionen genutzt werden. Man muss als Unternehmen beispielsweise nicht selbst am Girls‘ oder Boys‘ Day teilnehmen, um zu dem Thema etwas beizutragen. Hier kann die Reichweite genutzt werden, um auf das Unternehmen und die Ausbildungsplätze aufmerksam zu machen.

Der Fachkräftemangel kann bekämpft werden

Auch, wenn soziale Netzwerke nicht mehr nur von der jüngeren Zielgruppe genutzt werden, liegt hier im Social Recruiting oft der Schwerpunkt. Doch auch um dem Fachkräftemangel bei älteren Fachkräften entgegenzuwirken, kann Social Media genutzt werden. Die Bandbreite der Netzwerke, die man zielorientiert dafür einsetzen kann, ist groß. Je nach vakanter Stelle kann es z.B. sinnvoll sein, seine Social-Media-Präsenz auch auf Business Netzwerke auszuweiten. Hier können nicht nur Informationen gepostet und Stellenanzeigen geschaltet werden, auch das Unternehmen kann vorgestellt werden.
Generell gilt jedoch: Die sozialen Netzwerke sollten immer passgenau auf die Zielgruppe abgestimmt werden. Nur so kann man als Unternehmen seine Zielgruppe dort abholen, wo sie sich befindet. Darauf zu warten, dass die Bewerbungen automatisch eingehen, wird langfristig nur noch in wenigen Unternehmen zum Erfolg führen.

Reputation über Social Recruiting

Von vielen Unternehmen wird die öffentliche Reputation im HR-Bereich sträflich vernachlässigt. Bewertungen auf Google, Kununu oder auf Branchenportalen wie Jameda werden in der Wirkung auf Bewerber völlig unterschätzt. Doch genau dort liegt der Fokus, der vor einer Bewerbung ausgiebig geprüft wird: Empfehlen andere Mitarbeiter das eigene Unternehmen und „lohnt“ sich eine Bewerbungen dort überhaupt? Die vermeintlich beste Marketingaktion kann in einem Streich zunichte gemacht werden, wenn die öffentliche Reputation ein ganz anderes Bild zeigt. Zur Sichtbarkeit eines Unternehmens gehören heute Bewertungsprotale genau so dazu, wie authentische Beiträge von Mitarbeitern oder eine eigener Azubi-Kanal in den sozialen Netzwerken.

 

Christina Hölscher ist Soziologin und Erziehungswissenschaftlerin (B.A.), M.A. in Erwachsenen- und Weiterbildung sowie Social Media Managerin (IHK) und Online Marketing Managerin (IHK). Für die Business Academy Ruhr arbeitet sie in den Bereichen eLearning, Qualitätsmanagement sowie im Projektmanagement.