Journalismus und Social Media: Kritik an den Umgang mit sozialen Medien

Business Academy Ruhr Online Redaktion

Jedes große Medienunternehmen in Deutschland hat einen Social Media Auftritt. Einige haben komplette Redaktionen nur für die Online-Berichterstattung, so z.B. Focus Online, Spiegel oder die BILD. Diese Auftritte sind dafür zuständig, Informationen schnell zu verbreiten. Doch das kann einen falschen Effekt haben. Fehlinformationen werden verbreitet, es werden nur Überschriften beachtet und wichtige Informationen ausgelassen, Nutzer bekommen durch Algorithmen der Social Media Plattformen nur einseitige Berichterstattungen, etc. Da stellt sich die Frage: Können guter Journalismus und Social Media zusammen funktionieren.

Kurz gesagt: Ja. Aber nur mit Sorgfalt.

Die erste – berechtigte – Gegenfrage zu dem Thema, die sich nämlich stellt ist: Warum sollte es nicht funktionieren? Journalismus sollte doch unabhängig von einem bestimmten Medium funktionieren? Und das stimmt! Aber die Arbeit der Journalisten scheint noch nicht auf die neuen Medien eingestellt zu sein.

Immer schneller, aktueller und exklusiver

Früher war es einfacher – Journalisten informieren in einem TV- oder Radioprogramm mit regelmäßigen Sendeplätzen. Oder sie schreiben Texte für die Tageszeitung, die jeden morgen bis zur Haustür gebracht wird. Zwar gab es auch hier schon einen großen Konkurrenzkampf. Dieser bezog sich aber eher auf die Exklusivität der Themen, als auf die Aktualität.

Journalismus und Social Media sind gerade in den heutigen Zeiten eng miteinander verbunden.

Online Redaktionen jagen oft nur den neuesten Trends hinterher, ohne sich über Themen Gedanken zu machen.

Heute: In Zeiten des immer schneller werdenden Internets, des überall verfügbaren Smartphones und der Möglichkeit, in Sekunden nach aktuellen Informationen zu suchen hat sich der Journalismus angepasst. Jetzt muss eine Story/ein Beitrag nicht nur idealerweise exklusiv sein, sondern auch veröffentlicht, bevor andere Journalisten davon mitbekommen könnten (s. Sensationsjournalismus). Bei dieser Arbeitsweise kann eben diese Schnelligkeit zu Fehlern oder einem falschen Eindruck der Leser führen.

Achtung: Fake-News

So hat Facebook vor allem in den letzten Jahren Schlagzeilen mit vermeintlichen Fake-News gemacht. Auf Social Media Plattformen kann schnell eine falsche Information auftauchen, die von verschiedenen Medienunternehmen aufgeschnappt und verbreitet wird – und Zack: eine Fake-News ist entstanden. Die Schwierigkeit liegt oft darin, dass diese Falschmeldung oft gar nicht als solche zu erkennen ist. Oft werden diese Meldungen nicht überprüft oder nur mit einer anderen Quelle verglichen, die auf dieselbe Fake-News reingefallen ist.

Hier müssen Journalisten besonders aufpassen und sich doppelt, oder besser dreifach absichern um – vor allem bei kontroversen Themen – nicht in die Falle zu tappen. Journalisten sollten in Sozialen Medien als ‚Faktenchecker‘ dienen.

Es entsteht eine Filterblase

Das Problem von Social Media und Co.: Dem Nutzer werden mehr Dinge, die er sich öfter anschaut, angezeigt um ihn so lang wie möglich auf der Website zu halten. Dabei kann aber eine sogenannte ‚Filterblase‘ entstehen. Sie bedeutet, dass einem zum Beispiel auf Facebook personalisierte Inhalte und nur einseitige Informationen angezeigt werden.

Ein Nutzer, der gegen die Flüchtlingspolitik in Deutschland ist, bekommt dementsprechend keine oder kaum Beiträge angezeigt, die das Thema aufschlüsseln. Ihm werden oft nur weitere Beiträge dagegen angezeigt, die seine Meinung stärken. So kann ein falsches, auch von den Medien geprägtes Meinungsbild entstehen. Wenn ein Beitrag zu einseitig verfasst wurde, kann dieser gerade in den Sozialen Medien zu einer starken Bewegung führen, ohne dass die Leser überhaupt über die Möglichkeiten der anderen Seite informiert wurden.

Auch wenn die Theorie dahinter noch nicht Bestätigt wurde und sie eben eine umstrittene Theorie bleibt, stimmen ihr viele Journalisten und Medienwissenschaftler zu. Gerade nach der Präsidentschaftswahl der USA in 2016 hat dieses Phänomen große Aufmerksamkeit erregt.

Meinung und journalistische Haltung nicht verwechseln

Der Begriff „Journalist“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Jede Person, die ihre Meinung zu einem Thema kundtun möchte und diese auf Social Media Plattformen veröffentlicht, kann sich also als Journalist bezeichnen. Das geht auf den Artikel 5 des Grundgesetzes zurück:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“

Trotzdem bedeutet ein Blogbeitrag oder ein Post auf Facebook nicht gleich, dass ein journalistisch fundierter und recherchierter Text dahinter steckt. Soziale Medien verleiten vor allem private Nutzer, aber auch etablierte Journalisten zur plumpen Meinungsmache.

Der amerikanische Forscher Jay Rosen hat sich 2018 in Berlin mit insgesamt 53 Journalisten  getroffen, um ein Bild über den Journalismus in Deutschland zu bekommen. In einem FAZ-Beitrag kritisiert er die Berichterstattung über die Flüchtlingspolitik 2015. Er wirft Journalisten vor, nur das zu schreiben, was die Leute zu denken haben. So hat die Silvesternacht von Köln landesweit den Journalisten geschadet. Sie haben viel zu spät und teilweise geschönte Texte veröffentlicht.

„Als Journalisten haben Sie nicht die Aufgabe, den Leuten zu sagen, was sie denken sollen. Ihre Aufgabe ist es, sie auf Dinge aufmerksam zu machen, über die sie nachdenken sollten.” – Jay Rosen

Im Gegenzug steht der Axel Springer Verlag voll hinter dem Meinungsjournalismus und bekräftigt die Wirksamkeit einer „objektive[n] Darstellung, um das Publikum wertungsfrei zu informieren“, aber auch bewusst in eine Diskussion zu verwickeln. Hier gibt es unterschiedliche Ansichten, wie man ein Thema journalistisch bearbeiten sollte. Gerade da die Sozialen Medien die Möglichkeit zu einer direkten und öffentlichen Diskussion bieten. Trotzdem gilt auch hier die objektive Berichterstattung, eben nur aus der Sicht eines Individuums, dass seine Meinung vertritt.

Trotzdem: Social Media hilft dem Journalismus

Nach der ganzen Kritik mal zu etwas Positivem, denn die Sozialen Medien helfen dem Journalismus – und das nicht gerade wenig. Durch das einfachere Teilen von Beiträgen, lässt sich mehr Aufmerksamkeit für ein (gut recherchiertes) Thema generieren. Leser können mit Autoren und Journalisten in Kontakt treten und so eine aktive Diskussion führen. Gegebenenfalls können so offen gebliebene Fragen geklärt werden, die dann auch für Andere im Text ergänzt werden können.

Außerdem haben durch Social Media mehr Leute Zugriff auf Informationen. Ebenso ist es auch einfacher, an diese zu gelangen.

Soziale Medien helfen, den Journalismus transparenter zu gestalten. Jeder kann einen Beitrag zu einem bestimmten Thema veröffentlichen und verbreiten. Dann kann auch jeder seine Meinung zu eben diesem teilen und es kommt ein Diskurs zustande. Ein Diskurs, wo hinterfragt und argumentiert werden sollte. Denn guter Journalismus basiert auf kritischem Denken und dem Hinterfragen seiner Informationsquellen.

Weitere Literatur: Landesanstalf für Medien NRW, Universitiy of Oxford, Deutsche Tageszeitungen

Mehr zu diesen Themen, aber auch Grundlagen zum Schreiben für das Internet und Soziale Medien finden Sie in unserer Online Redakteur (IHK) Weiterbildung.

Dieser Beitrag wurde von Joshua Schmitz verfasst, Praktikant bei der Business Academy Ruhr von Oktober 2018 bis März 2019.

Hier veröffentlichen wechselnde Praktikantinnen und Praktikanten der Business Academy Ruhr Beiträge rund um das Digital Business.