republica 2018: POP in Berlin – Ein Nachbericht

Luisa Lütkebohle Events und Networking

republica 2018

Power of People – kurz POP – lautete das Motto der republica 2018. Es geht also nicht nur um digitale Technologien, sondern um die Menschen und gesellschaftlichen Veränderungen hinter digitalen Themen. Auch Begriffe wie „Popkultur“ oder „Populismus“ werden mit dem Begriff suggeriert – so wurde die republica 2018 einmal mehr zur Gesellschaftskonferenz. Bei bestem Wetter zog es wieder eine rekordverdächtige Menge von  Digitalisten, Journalisten, ITlern und den „Irgendwas mit Medien“-Menschen in die Hauptstadt, die sich von ihrer besten frühsommerlichen Seite zeigte.

Auch Holger und Luisa – ein Duo, das sich schon im vergangenen Jahr bewährt hat – waren auf Europas größter Messe rund um Digitales unterwegs. Während Luisa im vergangenen Jahr von ihren „Republica-Newbie“ Erfahrungen berichtete, soll es 2018 vor allem um unsere Highlights gehen: Von der Zukunft des eCommerce, Corporate Digital Responsibility bis hin zum Gender ABC und Digital Farming – das Themenspektrum hätte nicht vielfältiger sein können.

Wie weit dürfen Algorithmen, Bots und Augmented Reality gehen?

Um genau diese Frage ging es auf der republica in vielen Diskussionen: Was muss wie reguliert werden, um der scheinbar grenzenlosen Freiheit den nötigen Rahmen zu verpassen? Posten, wozu man Lust hat — diese Zeiten sind längst vorbei. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Umgang mit (personenbezogenen) Daten. Mit der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) im Rücken und dem Scheitern der Werbeblocker-Klage von Axel Springer vor dem Bundesgerichtshof wird diese Frage lauter denn je. Eine Antwort darauf lieferte auch die republica 2018 nicht. Zu komplex sind die Thematiken, zu flüchtig die Reglungen – eine Ideensammlung sowie Denkanstöße zum Thema gab es jedoch reichlich.

Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, bekannt als Moderator der WDR-Wissenssendung Quarks, stellte seinen Vortrag deshalb unter die berechtigte Frage: „Mensch und Maschine – wer programmiert wen?“

Hatespeech & Zivilcourage im Netz

Teilhabe und friedlicher Austausch – dies ist die eine Seite sozialer Medien. Insbesondere in politischen und gesellschaftlichen Debatten sind soziale Netzwerke jedoch Hilfsmittel und Sprachrohr für Hetze und Hass sowie Bühne für Wutakteure. Doch das muss nicht sein! – so der hoffnungsvolle Claim auf Stage 2.

Die Panelisten haben ganz unterschiedliche Initiativen gegen Hass im Netz gegründet und sind dabei teilweise selbst zum Ziel von Shitstorms geworden. Doch auch wenn man sich von der Wut zunächst allein getroffen fühlt, stellen sie fest: Wir sind nicht allein, denn es gibt eine stille Mitleserschaft, die der aufgeheizten Stimmung nicht weiter schweigend gegenüber stehen möchte. Diese zu aktivieren, sei die große Herausforderung. Die Visionen für die Zukunft der Sprecher sind unterschiedlich, gehen aber in eine ähnliche Richtung:

Franziska von Kempis, alias @besorgtebuergerin, geht es vor allem darum, konkrete Handlungsempfehlungen à la „Was sage ich wenn…?“ abgeben zu können.  Etwas, worauf man konkret zugreifen kann, zu schaffen.

Hannes Ley thematisiert in seinen Vorträgen tägliche Herausforderungen und übergreifende Learnings aus digitalen Kundenprojekten von großen, international agierenden Unternehmen. Es geht ihm im Kern um Verantwortungsübernahme aller Instanzen – alle Beteiligten müssen Hebel ziehen. Plattformen, Justiz, Medien, Plattformen, Bildung. Diese Hebel sowie ein Format im Netz, in dessen Rahmen wirklich große Themen diskutiert werden können – sowohl auf Werteebene als auch auf aktuell politischer Ebene – wäre für ihn wünschenswert.

Kübra Gümüsay, freie Autorin und Aktivistin, fordert,  an verschiedenen kleinen Stellschrauben zu drehen, um konstruktive Formate zu schaffen, in denen Themen diskutiert werden können.

Gerald Hensel als Vorsitzender des Vereins Fearless Democracy e.V.  mit dem Schwerpunktthema „HateAid“  verlangt: „Wir müssen aufhören, über die Hater zu reden, sondern von den Gehateten und Selbsthilfeangebote für Betroffene schaffen.“

Fest steht: Nur wer Haltung zeigt, bekommt auch Reaktionen. Dies gilt insbesondere für die Nicht-Betroffenen. Das Fazit der Diskussion ist gleichzeitig eine Kampfansage:  „Aushalten und Durchhalten, um eine Gesellschaft zu gestalten, in der wir auch in 10 Jahren noch gerne leben. Das ist nicht einfach und nicht angenehm. Das ist auch nicht die Aufgabe von all jenen, die betroffen sind, sondern von denen, die es nicht sind. Dinge müssen passieren, nicht nur Reden und nicht den Mut verlieren.“

Digitale Zukunft der Bildung

Für die Business Academy Ruhr als Bildungsanbieter sind die zahlreichen Diskussionsrunden der sogenannten re:learn Research & Education der republica 2018 besonders spannend: Wie kann Digitalisierung in der Bildung so gelingen, dass analog und digital nicht mehr konkurrieren, sondern sich sinnvoll ergänzen?

Insbesondere in der Bildung werden analoge durch digitale Methoden häufig im Prozess der Digitalisierung ersetzt. In den letzten Jahren haben sich virtuelle Unterrichtsszenarien in der beruflichen Weiterbildung durchgesetzt. Sie bieten beste Bedingungen: Zielgruppe sind Erwachsene mit Erfahrung aus dem Berufsleben – diese haben häufig wenig Zeit und bevorzugen zeit- und ortsunabhängige Lernformate wie beispielsweise das eLearning.

Eine Lösung für flexibles Lernen? YouTube. Als nach Google weltweit zweit meistgenutzte Suchmaschine eignet sich YouTube auch für die Bildung. Die Nutzungsdauer in der Altersgruppe der 18-49-Jährigen steigt kontinuierlich. Bestes Beispiel für funktionierende Bildung via YouTube ist Mai Thi Nguyen-Kim. Mit dem Ziel, junge Menschen für Naturwissenschaften zu begeistern, produziert sie für den YouTube-Kanal „maiLab“ kreative Videos zu verschiedensten Wissenschaftsbereichen.

Aber was macht ein gutes Wissens-Webvideo aus? Wie werden Fakten, Wissenschaft und Forschung auf YouTube kommuniziert? Und was braucht es, damit YouTube als optimale Bildungsplattform funktionieren kann?

Unterhaltung ist auch in der Bildung das A und O. In diesem Punkt sind sich die Teilnehmer der Diskussion „Von YouTube lernen – Webvideos als Bildungs- und Informationsquelle“ einig. Außerdem gelte es, Inhalte prägnant darzustellen. Die Flexibilität, jederzeit vor- oder zurückspulen zu können oder das Video zu beenden, ist dabei gleichermaßen Fluch und Segen. Anbieter von Lernvideos stehen daher unter dem ständigen Druck, das Interesse der User für die Dauer des Videos aufrecht zu erhalten oder zu verstärken.

Fazit der republica 2018

Der allgemeine Eindruck: Die vielen Themen der Workshops, Diskussionen, Sessions und Vorträge verlagern sich zunehmend auf politisch-gesellschaftliche Themen. Wer auf der Suche nach Online Marketer Praxiswissen und digitalen Neuheiten ist, ist wahrscheinlich auf anderen Veranstaltungen besser aufgehoben. Insgesamt bot die republica 2018 aber eine durchaus abwechslungsreiche Mischung verschiedenster Themenbereiche.

Luisa Lütkebohle ist Betriebswirtin sowie Medienwissenschaftlerin B.A. und Online Marketing Managerin (IHK). Für die Business Academy Ruhr ist sie für den Bereich Online Marketing verantwortlich, betreut Kundenprojekte und erstellt Content für den Business Academy Blog.