Künstler im Social Web: ein Praxisbeispiel mit Thomas Kellner #Interview

Dr. Marie Huchthausen Allgemein, Social Media Marketing

Künstler Social Media

Thomas Kellner im Interview mit Marie Huchthausen

Wie lässt sich Kunst und Social Media vereinbaren? Was bringt das, wenn Künstler auf den Social-Media-Kanälen aktiv sind? Investiert man als Künstler da nicht viel zu viel Zeit, die einem dann zur Erstellung der Werke fehlt? Das sind Fragen, die wie als Social-Media-Experten immer wieder hören. Die Unsicherheiten und Vorurteile von Seiten der Künstler sind häufig groß. Daher freuen wir uns immer, wenn wir Teilnehmer in unseren Lehrgängen zu den Themen interviewen können und diese einen Eindruck aus ihrer Praxis vermitteln können. Thomas Kellner ist ein Fotokünstler aus der Siegener Region, der international agiert, Ausstellungen auf allen Kontinenten durchführt und sich auf einem globalen Markt als Künstler etabliert hat. Er nutzt Social Media intensiv, hat sich jedoch trotzdem in unserer Weiterbildung zum Social Media Manager (IHK) weitergebildet.

Wie hast du es geschafft, dich als Künstler in einem sehr umkämpften Markt zu etablieren?

Thomas Kellner: Ich wollte schon immer Kunst machen. Wie es aber häufig ist, wollten meine Eltern, dass ich etwas „sicheres“ lerne. Von der Kunst leben zu können, das hat mir damals niemand zugetraut. Also habe ich Kunst und Sozialwissenschaften auf Lehramt studiert.

Welche Rolle hat die Digitalisierung im Rahmen deiner Professionalisierung gespielt?

Thomas Kellner: Als ich vor vielen Jahren mit der Kunst begann, hat sie keine Rolle gespielt. Natürlich habe ich im Studium mit dem PC gearbeitet, aber viele Errungenschaften der digitalen Welt kamen erst nach und nach hinzu. Erst die Zusammenarbeit mit den USA hat mir die Bedeutung von digitalen Tools und Anwendung nahegebracht. So habe ich schon sehr früh angefangen, einen Newsletter zu verfassen und an meine Kunden zu schicken, sie damit auf dem Laufenden zu halten. Auch mit einem Kundenmanagement-System habe ich mich sehr früh beschäftigt. Bereits 2002 stellten in den USA die ersten Galerien ihre Arbeit auf  „digital“ um. Ich habe also schon immer geschaut, welche Software existiert und wie sie mich als Künstler entlastet. Ich war also schon immer technisch interessiert, allerdings stand für mich die Kommunikation im Vordergrund.

Wann hast du Social Media für dich als Künstler entdeckt?

Thomas Kellner: Technisierung habe ich immer als Faktor der Zeitersparnis gesehen. Anfangs habe ich mich sogar gegen Facebook gesträubt. Ich konnte mit einem „Gesichtsbuch“ als Künstler wenig anfangen. Dann kam die Finanzkrise und hat auch den Kunstmarkt nicht unberührt gelassen. Auch ich stand vor der Herausforderung, Kosten zu senken und mir zu überlegen, wie ich (kosten)effektiv mit meinen Kunden kommuniziere. Das mobile Telefonieren war in der damaligen Zeit (je nach Kontinent) noch extrem kostspielig. Also habe ich meine Kunden-Kommunikation auf Social-Media-Kanäle umgestellt.

Was sind für dich als Künstler die wichtigsten Argumente, Social-Media-Kanäle zu nutzen?

Thomas Kellner: Zum einen kann ich damit sehr nah an meinen Kunden agieren, mit ihnen kommunizieren, mir ein Netzwerk aufbauen. Für mich muss Kommunikation da ablaufen, wo der Kunde ist. Auf der anderen Seite, kann ich über Social-Media-Kanäle auch sehr gut wahrnehmen, was grad auf dem Markt passiert. Welche Galerie grad angesagt ist, welche Künstler, welche Stile angesagt sind.

Warum hast du dich entschieden, eine Social Media Weiterbildung zu absolvieren?

Thomas Kellner: Als ich mich für den Lehrgang angemeldet habe, wollte ich vor allem wissen, was mir Social Media wirklich bringt. Es professionalisieren. Mir ist schon früh aufgefallen, dass mein Kunden verschiedene Arten der Kommunikation nutzen, manche bevorzugen bis heute noch den Briefverkehr, andere eMail, wieder andere informieren sich über meine Homepage und wieder andere möchten über Social-Media-Kanäle informiert werden. Das wollte ich schon immer abdecken. Social Media ist also Teil einer Kommunikation, die ich anbieten muss, um alle Kunden zu erreichen.

Welchen Tipp hast du für junge Künstler?

Thomas Kellner: Stellt euch der Digitalisierung. Natürlich kommt ein Künstler auch heute nicht ohne Papier aus, allerdings ist es wichtig, einen möglichst großen Kreis an Kunden anzusprechen. Investiert die Zeit dafür, es lohnt sich. Ich investiere für Social-Media-Arbeit im Moment einen ganzen Arbeitstag pro Woche. Natürlich kann man sich von Klicks allein nichts kaufen, aber Viralität und Bekanntheit sind die Konsequenzen einer guten Social-Media-Arbeit. Mein Ziel ist es, Kontakte und Netzwerke auf- und auszubauen. Zum Beispiel mit internationalen Galerien. Ohne Sichtbarkeit geht es in der heutigen Zeit nicht. Zudem ist die digitale Publikation der Werke für die Künstler auch eine sinnvolle und legitime Methode, die eigenen Werke zu duplizieren und zu dokumentieren.

Mein Fazit: Social Media ist heute ein wichtiges Mittel zum Zweck. Der Zweck ist es, bekannt zu werden, sichtbar zu werden, mit Kunden in Kontakt zu kommen. Anders geht es nicht. Wenn man sich in diesem Bereich weiterbildet, spart man letztendlich Zeit, weil man viele Tools und Anwendungen kennenlernt, die einem die professionelle Social-Media- Arbeit erleichtern und dann auch eine sinnvolle Strategie entwickeln kann.

Vielen Dank für das spannende Interview. Wir wünschen dir auf deinem weiteren Weg viel Erfolg.

Wer mag, findet hier die Social Media Kanäle von Thomas Kellner: Thomas Kellner  auf Facebook, Thomas‘ Kellner  Twitter-Kanal, Thomas Kellner auf LinkedIn, Thomas Kellner bei YouTube. Thomas Kellner auf Instagram 

Dr. Marie Huchthausen beschäftigt sich als Didaktikerin und Erwachsenenbildnerin seit knapp 20 Jahren mit eLearning und digitalem Lernen. Als Geschäftsführerin der Business Academy Ruhr ist sie verantwortlich für den Bildungsbereich. Sie gibt ihr Wissen rund um das Thema Digitalisierung in zahlreichen In-House-Schulungen und als Speakerin weiter.