Was hat der Kaufmann im eCommerce mit dem eCommerce Manager zu tun?

Dr. Marie Huchthausen eCommerce / Onlinehandel / Onlineshop, Online Marketing, Weiterbildung

Dass der Online-Handel floriert, ist nicht nur jedem klar, der seine Ware bei Amazon, Zalando und Co bestellt. Der Online-Handel gehört zu den Boom-Branchen und wächst weiter. Personal ist in diesem Bereich nur schwer zu bekommen. Seit 2016 kann man seine Mitarbeiter in diesem Bereich fundiert zum eCommerce Manager (IHK)  weiterbilden und ab Herbst 2018 auch zur Kauffrau bzw. Kaufmann im eCommerce  ausbilden. Auf den ersten Blick klingt beides recht ähnlich, die Weiterbildung zum eCommerce Manager und die Ausbildung zu Kaufleuten im eCommerce. Wo liegt jedoch der Unterschied? Was setzen die Mitarbeiter in diesen Arbeitsfelder später um? Für wen ist was geeignet? Wir klären, für wen welcher Weg geeignet ist, welche Voraussetzungen man für die Weiterbildung benötigt und was die Ausbildung zum Kaufmann im eCommerce ausmacht und stellen so ein spannendes Handlungsfeld der digitalen Branche vor.

Der Online-Handel braucht Personal

Kaufmann im eCommerceAuf dem Markt sind nicht nur die großen Konzerne des Online Handels wie Amazon oder Zalando unterwegs, sondern auch der stationäre Handel bietet in fast allen Segmenten mittlerweile Online-Shops an. Dass der Personal-Bedarf in diesem Bereich groß ist, ist die logische Konsequenz. Immerhin muss jemand den Online-Shop aufbauen und pflegen können, die Prozesse dahinter verstehen, eine Warenwirtschaft aufbauen, sich mit rechtlichen Rahmenbedingungen auskennen und bestenfalls noch wissen, wie man den Online-Shop digital bekannt macht. Ein recht komplexes Feld, in dem man nicht nur betriebswirtschaftliche Grundlagen benötigt, sondern auch technische und rechtliche. Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, ihre Mitarbeiter in diesem Bereich zu qualifizieren oder qualifiziertes Personal zu finden?

Bestehendes Personal für den Online-Handel fit machen

Zunächst haben viele Unternehmen bestehende Mitarbeiter weitergebildet und so ihre Online-Shops aufgebaut. Dazu eigenen sich vorallem standardisierte Weiterbildungen, die nach einem verlässlichen Rahmen mit etablierten Standards arbeiten. Eine solche Weiterbildung ist der eCommerce Manager (IHK), der seit 2016 angeboten wird. Diese Weiterbildung ist ein sogenannter Zertifikatslehrgang. Das heißt, dass man über einen Berufsabschluss verfügt, sich über einen bestimmten Zeitraum jedoch weiterbildet und am Ende der Weiterbildung zeigt, dass man etwas gelernt hat. Darüber erhält man dann ein Zertifikat. Weiterbildungen bei der IHK ohne „Abschlussprüfung“ schließen mit einem Teilnahmenachweis ab. Der eCommerce Manager ist also eine Zusatzqualitifkation für Mitarbeiter. Was lernt man dort? In 80 Stunden erarbeitet man die zentralen Inhalte zum Aufbau und Pflege eines Online-Shops. Da geht es um das Thema Recht, genauso wie um digitale Zahlungssysteme und Qualitätssiegel, natürlich um Shop-Software, aber auch logistische Abwicklungen der Warenwirtschaft und Maßnahmen des Online-Marketings. Setzt man einen solchen Lehrgang berufsbegleitend um, dann sind das ca. 3 Monate, die man dafür aufwenden muss. Man kann ihn jedoch auch bequem von zu Hause im eLearning umsetzen. Wichtig ist, dass man im Rahmen des Lehrgangs Kompetenzen erwirbt, die in der Praxis gefragt sind.

Den Nachwuchs für den Online-Handel aufbauen

eCommerce Managerin (IHK)Die Ausbildung zum Kaufmann im eCommerce setzt beim Nachwuchs an und wendet sich – wie alle anderen Ausbildungen auch – an Schulabgänger. Für diesen Ausbildungsgang braucht man mindestens die sogenannte Mittlere Reife, also einen Realschulabschluss. Das Abitur ist sicherlich von Vorteil, aber kein Muss. Die Ausbildung ist standardisiert und in Deutschland als duale Ausbildung organisiert. Das heißt, dass ein Teil der Ausbildung zum Kaufmann im eCommerce im Betrieb stattfindet, ein anderer Teil jedoch in der Berufsschule. Theorie und Praxis sind also getrennt. Die Inhalte der Ausbildung sind ähnlich wie beim eCommerce Manager, es geht darum, wie man einen Online-Shop aufbaut und pflegt. Insgesamt dauert die Ausbildung drei Jahre. Die Inhalte der Ausbildung sind natürlich fundamentaler als bei der Weiterbildung. In der Ausbildung lernt man auch, wie man Rechnungen erstellt und bucht, mit Kunden umgeht und Kosten kalkuliert. Diese Basis-Kenntnisse werden in der Weiterbildung vorausgesetzt. Die Vergütung orientiert sich an der Vergütung anderer kaufmännischer Ausbildungen und beginnt im ersten Jahr bei 760 € und steigert sich im dritten Lehrjahr auf 1000 €. Mehr Informationen dazu bündelt zum Beispiel das Ausbildungsportal „Ausbildung.de„.

Wem das nicht tiefgreifend genug ist, kann sich auch im Rahmen eines Studiums mit dem Thema eCommerce auseinandersetzen. Auf Bachelor- und Master-Level kann man eCommerce beispielsweise an der Enrst-Abbe-Hochschule in Jena,  an edr Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg-Schweinfurt, der Fachhochschule Wedel und anderen „eCommerce“ studieren. Der Handelsverband Deutschland (HDE) kündigt auch den Abschluss auf Fachwirts-Ebene an: „Fachwirt für eCommerce“. Der Beruf professionalisiert sich also weiter und bietet Einstiegsmöglichkeiten auf weiteren Bildungs- und Qualifikations-Stufen an.

Als Bildungsunternehmen im digitalen Bereich unterstützen wir verschiedene Kammer-Bezirke in der Durchführung der Zertifikatslehrgänge zum „eCommerce Manager (IHK)“ und als Speaker für verschiedene Handelsausschüsse und Verbände.

Dr. Marie Huchthausen beschäftigt sich als Didaktikerin und Erwachsenenbildnerin seit knapp 20 Jahren mit eLearning und digitalem Lernen. Als Geschäftsführerin der Business Academy Ruhr ist sie verantwortlich für den Bildungsbereich. Sie gibt ihr Wissen rund um das Thema Digitalisierung in zahlreichen In-House-Schulungen und als Speakerin weiter.