Authentisch kommunizieren in den sozialen Medien

Luisa Lütkebohle Events und Networking, Marketing und Public Relations (PR), Online Marketing, Online Redaktion, Storytelling

Authentisch kommunizieren in den sozialem Medien? Ist sie in Zeiten von Nachrichtenflut, Fake News und Algorithmen, die uns vermeintlich die besten Inhalte zur besten Zeit präsentieren überhaupt noch möglich? Ja! – so zumindest die Antwort von Speaker Oliver Brügmann der re:publica 2017 im Rahmen seiner Session. Sechs Monate später und die Thematik hat nicht an Relevanz verloren – im Gegenteil.

authentisch kommunizieren

 

Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne für ein Instagrambild liegt bei 6 Sekunden – Zeit ist in den sozialen Medien ein sehr knapp bemessenes Gut. Umso wichtiger ist es, in kurzer Zeit zu überzeugen – durch Authentizität und qualitativ hochwertige Inhalte. Es geht längst nicht mehr darum, immer mehr Content zu produzieren. Was wir wirklich brauchen, sei guter Content. So die Forderung von Oliver Brügmann, Mitgründer der Digitalagentur visumate.

Warum Authentizität so wichtig ist

Doch was meinen wir, wenn wir von Authentizität sprechen? Und wann sind wir selbst besonders authentisch? Der Duden beschreibt Authentizität als „echt; den Tatsachen entsprechend und daher glaubwürdig.“ So weit, so gut.

Wenn man Menschen gewinnen will, ist Authentizität von zentraler Bedeutung, insbesondere in der Online-Kommunikation, wo “Authentizität” ein großes Stück der Virtualität ausgleicht. Frei nach dem Motto “Fake it ‘till you make it” wird Social Media jedoch häufig genutzt, um persönliche und/oder berufliche Erfolge nach außen darzustellen .

Hier ein erfolgreicher Produktlaunch, dort ein perfekt hergerichtetes Mittagessen und mit den lieben Kollegen versteht man sich jederzeit prima: Erfolge und Ästhetisches zeigt jeder gern.

Und dort beginnt das Problem: Wenn ich mit meiner Social Media Präsenz eine optimierte und aufpolierte Version meiner Person oder meines Unternehmens zeige, nur um bei anderen einen besonders guten Eindruck zu hinterlassen, dann möchte ich bewusst andere beeinflussen und poste nicht „den Tatsachen entsprechend“, folglich also auch nicht mehr authentisch.

Die Mischung macht’s

Es gilt folglich, die Balance zu finden. Selbstverständlich möchte ich mein Unternehmen möglichst attraktiv präsentieren. Sich selbst dabei nicht ganz zu ernst zu nehmen, ist dabei in jeder Hinsicht angebracht. Potenzielle Kunden werden, auch bei Werbung über soziale Medien, immer sensibler und kritischer gegenüber Werbebotschaften – egal wie gut diese auch getarnt sein mögen. Eine Art „Dauerwerbesendung“ schreckt Käufer ab. Eine gesunde Mischung aus produktbezogenen Infos, Branchenwissen und dem ein oder anderen Blick „hinter die Kulissen“ hat noch keinem Social Media Account geschadet. Ein Erfolgsrezept gibt es jedoch nicht – ausprobieren ist hier die Devise.

Wichtig ist es vor allem, die Kanäle und Inhalte zu wählen, die tatsächlich zum Unternehmen passen. Es ist wenig hilfreich und noch weniger authentisch, auf Kanälen unterwegs zu sein, die sich nicht für das Unternehmen und seine Zielgruppe eignen. Dort ist auch die anvisierte Zielgruppe nicht präsent, beziehungsweise nicht empfänglich für die Botschaften des Unternehmens.

Ein einfaches Beispiel: Ich möchte Social Media Marketing für ein komplexes B2B-Produkt umsetzen. Snapchat ist in aller Munde und absolut im Trend, weshalb ich dort investiere. Die Messaging-App für bewegte Bilder hat weltweit schließlich über 220 Millionen monatliche Nutzer. Der Fehler? 57 Prozent der Snapchat User sind zwischen 18 und 24 Jahre alt und somit nicht die richtige Zielgruppe.

Fazit: Man muss nicht jeden Hype mitgehen – auch wenn es noch so verlockend sein kann.

Authentisch kommunizieren leicht gemacht

Ein Universalrezept für Social Media Erfolg gibt es nicht. Die fünf wichtigsten Komponenten haben wir jedoch zusammengestellt – damit Social Media kein Hype mehr bleibt, sondern einen festen Platz im Marketing-Mix erhält und vor allem eines ist: authentisch: 

  1. Aktualität

    Insbesondere in der digitalen Branche hat Aktualität oberste Priorität. Aktuelle Zahlen und Kenntnisstände sollten also vor der Veröffentlichung immer geprüft werden. Content, der up to date ist,  zeigt Respekt gegenüber den Usern. Diese honorieren den Content mit einem hohen Interesse und idealerweise einer Weiterempfehlung in Social Media. Informationen dann zu veröffentlichen, wenn möglichst viele User noch nichts davon wissen, ist eine besondere Disziplin, die großen Erfolg verspricht.

  2. Information

    Apropos Informationen – diese sollten nicht nur aktuell sein, sondern auch einen Mehrwert haben. Zeit und Aufmerksamkeit sind in sozialen Medien eine besonders knappe Ressource: Liefert eine Informationen keine Mehrwert, wird weitergescrollt. Nur, wenn eine Information einen bedeutsamen Kundennutzen innerhalb der digitalen Medien bietet, wird sie wahrgenommen und im Idealfall verbreitet.

  3. Interaktion

    Interaktion ist das A und O. Warum? Bei einem realen Verkaufsgespräch erhält man Antworten von einem Verkäufer. Warum sollte dies in sozialen Medien anders sein? Wer Social Media Kanäle bedient, muss sich ihrer Schnelllebigkeit bewusst sein und entsprechend agieren. Sich für Anregungen und Kritik zu bedanken, sachlich zu bleiben und schnell zu reagieren sind essenziell wichtig. An dieser Stelle hilft es, sich einen realen Kundenkontakt vorzustellen: Würde man den Kunden auch offline ignorieren? Könnte ich das Geschriebene einem Kunden von Angesicht zu Angesicht sagen und ihm danach noch in die Augen schauen?

  4.  Individualität

    Marken müssen im Social Web weitaus mehr leisten, als nur künstliche Welten zu erschaffen. Vielmehr schaut man, was Wettbewerber auf den sozialen Kanälen machen, vergleicht sich mit ihnen und – im schlimmsten Fall – kopiert sie einfach. Sich Inspiration zu holen ist in jedem Fall erlaubt. Eine gute Inspirationsquelle können andere Unternehmen sein, die Social Media Kommunikation erfolgreich umsetzen. Diese müssen jedoch nicht zwingend der selben Branche angehören. Es lohnt sich, dabei ein Stück weit über den Tellerrand hinaus zu schauen.

  5. Emotion

    Verschiedenste Tools, holistischer Content, Algorithmen – bei allen technischen Helfern darf bei der Social Media Kommunikation eines nicht vergessen werden: Menschlichkeit und somit Emotion. Letztendlich wird der Content für Menschen  – und nicht für Maschinen – gemacht. Produkte mit emotionalen Attributen und Werten zu versehen, ist im Marketing ein alter Schuh. Diese Emotionen aber nun auf die Kommunikation im Social Web zu übertragen, ist die wahre Kunst. Denn nur wer glaubwürdig und persönlich agiert, wird auch als authentisches Unternehmen wahrgenommen.

 

Luisa Lütkebohle ist Betriebswirtin sowie Medienwissenschaftlerin B.A. und Online Marketing Managerin (IHK). Für die Business Academy Ruhr ist sie für den Bereich Online Marketing verantwortlich, betreut Kundenprojekte und erstellt Content für den Business Academy Blog.