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„Sicher in sozialen Netzwerken“ #gelesen

Wir erledigen unsere Bankgeschäfte online. Wir „daten“ über Flirtportalen. Wir tummeln uns täglich in sozialen Netzwerken. Wir speichern unsere Daten in der Cloud. Wir kaufen online. Die Liste der Aktionen, bei denen wir kommerziellen Anbietern Daten überlassen, ist unendlich.  Mit dem Buch „Sicher in sozialen Netzwerken“ will Autor Manuel Ziegler Schutzmöglichkeiten aufzeigen: „(Es) ist ein Buch für den Kampf um Privatsphäre im Internet“. 

Vom Cybermobbing zur staatlichen Überwachung

Sicher in sozialen NetzwerkenEs war im Sommer 2013 als Edward Snowden die Bombe platzen ließ und der Welt die Augen über weltweite Überwachungs- und Spionagepraktiken der Geheimdienste insbesondere der NSA öffnete. Die Entrüstung der Menschen groß. Was ist davon geblieben? Lesen Sie jetzt zum Beispiel beim Herunterladen eines Smartphone-Software Updates die Allgemeinen Geschäftsbedingungen? Wahrscheinlich nicht.

Ebenso wenig hinterfragen Sie täglich ihre Aktivitäten im sozialen Netzwerken. Zumindest geht es mir so. Dabei „liest“ das Internet immer mit, so Ziegler. Jede WhatsApp Nachricht, Facebook Veranstaltung an der Sie teilnehmen, oder Google Suchen werden gespeichert. Die Konsequenzen sieht Manuel Ziegler düster:

„Ich bin der festen Überzeugung, dass wir im Moment, in dem wie unsere Privatsphäre aufgeben
auch die Kontrolle  über unser eigens Leben verlieren!“

Spätestens jetzt läutet bei mir die Alarmglocken. Ich bin in vielen Netzwerken unterwegs und haben mir eigentlich nur bei der Einrichtung des Accounts vor etlichen Jahren Gedanken über den Schutz meiner Daten gemacht. Gleichzeitig meldet sich mein schlechtes Gewissen. Hätte ich nicht schon viel früher, spätestens seit der NSA-Affäre etwas ändern müssen? Aber welche Maßnahmen sind die richtige? Menschen wie mir verspricht der Autor, ein versierter Informatik-Student und Speaker der TU München, im Buch Hilfe. Ich bin gespannt.

Tipps & Anleitungen zum Schutz persönlicher Daten

Wer jetzt glaubt, das Buch arbeite alle sozialen Netzwerke einfach nacheinander ab und stelle die Möglichkeiten dar, der wird positiv überrascht. Zunächst beginnt Manuel Ziegler mit einer allgemeinen Einordnung der sozialen Netzwerke. Welche Bedeutung haben sie für unsere Gesellschaft? Wie verändern sie unseren Alltag? Welche Funktionen übernehmen die Netzwerke für Unternehmen? Wie verändern sie die Kommunikation und das Leben der Menschen? Ohne zu bewerten schildert der Autor sehr verständlich die Gesamtzusammenhänge.

Mit geschärften Sinnen geht es dann ans Eingemachtes. Die sozialen Netzwerke werden unter die Lupe genommen. Interessant die Einteilung, die der Autor vornimmt. Erstaunlich wie umfangreich seine Recherchen. Gefühlt finden sich im zweiten Kapitel auf 113 Seiten alle relevanten und Bekannten sozialen Plattformen. Vorgestellt und erläutert werden Benutzeroberflächen, Einstellungen, Aufbau und Nutzungsbedingungen sowie Datenrichtlinien. Abbildungen helfen, die Inhalte zuzuordnen.

Sicher in sozialen Netzwerken

Spionage

Nachdem Manuel Ziegler wirklich detailliert aufgezeigt hat, wie und wo die Netzwerke Daten sammeln, geht es jetzt um die Spionage und den Datenmissbrauch. „Warum soll ich mich dafür interessieren, welche Daten von mir in sozialen Netzwerken sind? Ich habe nichts zu verbergen!“ – Das denken viele Menschen. Manuel Ziegler sagt dazu, dass sich die meisten nicht bewusst machen, welche Konsequenzen die Verfügbarkeit der persönliche Daten mit sich bringen können. Es gibt viele, die im Netz spionieren oder recherchieren: Journalisten, Unternehmen, Privatpersonen, Kriminelle, Einbrecher und politische Extremisten. Jeder  hat andere Gründe, für die Datensammlung und den Datenmissbrauch.

Anhand von Beispielen schildert der Autor die Gefahren: Graph Search beispielsweise von Facebook sei eine mächtige Suchmaschine, die es Nutzern erlaube, nach persönlichen Inhalten zu suchen. Die Problematik: Man muss eigentlich immer sein Profil dahingehend überprüfen, ob ältere Inhalte/Fotos Dinge enthalten, die nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Zudem ist jedes „Gefällt mir“ gespeichert, dessen sollte man sich bewusst sein.

Überwachung und Datenmissbrauch

Sicher in sozialen NetzwerkenKein Buch über die Sicherheit in sozialen Netzwerken ohne ein Bezug auf die Enthüllungen von Edward Snowden. Seine Herangehensweise: Ziegler informiert über die Wege, die es gibt an Benutzerinformationen zu gelangen und benennt Überwachungsprogramme. Darüber hinaus werden die Möglichkeiten aufgezeigt, wie Staaten unerwünschte Inhalte im Internet zensieren kann.

Besonders spannend fand ich das Kapitel zum Datenmissbrauch durch Netzbetreiber. Von finanziellen Wert der Daten über die Tracking-Technologien und Standortanalysen bis hin zu der trendy „Smart“-Technologie reicht Palette der geschickten Tricks, derer sich die Netzwerk-Betreibe bedienen. Wer sich schützen möchte, muss ganz genau hinschauen. Dank der Tipps des Autors wird einem dabei viel Recherche-Arbeit abgenommen.

Passwörter im Fokus

„Shoppen im Internet? Gefährlich? Wir haben doch alles passwortgeschützt.“  Quatsch. Gegen Kriminelle haben die wenigsten eine Chance. Umso wichtiger ist es sich zu schützen. Ziegler zeigt dabei nicht nur die Maßnahmen, die jeder Einzelnen vornehmen kann, sondern erläutert Schutzmaßnahmen, die Netzbetreiber ergreifen müssen, um die Menschen/die User zu schützen.

Cybermobbing und Gruppenzwang

Um die gesamte Bandbreite der Internetphänomene in Hinblick auf Datensicherheit abzudecken, begibt sich der Autor auf eine andere Ebene und widmet zwei kurze Kapitel den Themen Cybermobbing und Gruppenzwang. Eine sinnvolle Ergänzung zum Buch, aber kein Schwerpunktthema des Informatikers.

FAZIT

„Wer seine Privatsphäre gewahrt wissen möchte, der muss darauf verzichten, kommerzielle soziale Netzwerke zu nutzen. (…) Alternativen sind dezentrale Netzwerke,“ sagt der Manual Ziegler abschließend. Eines ist mir klar geworden, der Autor ist kein Freund der sozialen Netzwerke, dennoch hat er ein sehr informatives und sinnvolles Buch für Nutzer kommerzieller soziale Netzwerke geschrieben.

Nach der Lektüre ist klar: Wir, die Community, sind für die Betreiber ein offenes Buch. Alle Verhaltensweise sind nachvollziehbar, die Daten werden immer gespeichert. Zu groß ist der Nutzen für die Netzwerk-Betreiber. Das sollten wir uns immer bewusst machen. Wenn wir uns der Welt mitteilen möchte, sollten wir vielleicht einen Blog erwägen, so Zieglers Tipp. Das Buch ist interessant und so geschrieben, dass auch Programmier-Laien sinnvolle Schutzmaßnahmen ergreifen können. Der Leser taucht ein in die Niederungen des Datenmissbrauch und der Spionage und muss letzendlich selbst entscheiden, ob und wie er nach der Lektüre im Internet kommuniziert.

Als ich mit den sozialen Netzwerke 2009 startet, habe ich mir darüber kaum Gedanken gemacht. Aber ein Tipp einer Social Media Expertin beherzige ich auch heute noch: „Poste nur das, was du auch auf einer XXL-Plakatwand  in der Fußgängerzone veröffentlichen würden.“ 😉

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Irene Mechsner ist Kommunikationswissenschaftlerin M.A. und arbeitet als Redaktionsassistentin in einem Verlag. Darüber hinaus interessierte sie sich für das digitale Business – insbesondere für das Online Marketing. Mit Herzblut unterstützt sie das Business-Academy-Ruhr-Team beim Unternehmensblog.