re:publica Besucher: Tussies, Schachclubs, Junkies

Milena Droste Events und Networking

republica 2015 #rp15 Berlin Konferenz re:publica Besucher

Jeder re:publica Besucher kann sich frei entfalten

Vom 05. Bis zum 07. Mai fand in Berlin die neunte re:publica statt. Als eine der weltweit wichtigsten Konferenzen zu Themen der digitalen Gesellschaft lockte das Event 2015 rund 6.000 Teilnehmer und 800 Referenten aus mehr als 45 Ländern in die STATION BERLIN.

Ich war in diesem Jahr zum ersten Mal re:publica Besucher. Als sogenannter „Newbie“ prasseln viele verschiedene Eindrücke auf einen herunter. Berichte zu den Vorträgen, Meinungsbilder und Nachbetrachtungen gibt es im Anschluss der Convention wie Sand am Meer. Das ist natürlich kein Wunder, wenn mehrere hundert der einflussreichsten und erfolgreichsten Journalisten, Blogger und sonstigen Medienmacher vor Ort sind.

In diesem Artikel widme ich mich daher der Newbie-Frage:
Wie sieht ein typischer re:publica Besucher aus?

Generell kann man die Zielgruppe mit „Medienbranche“ titulieren. Doch innerhalb der Gruppe gibt es zahlreiche Attitüden, Herdentrieb und Revierverhalten. Zwischenzeitlich fühlte ich mich immer mal wieder ein paar Jahre zurück versetzt auf den Schulhof. In meinen Augen ließen sich verschiedene Arten der re:publica Besucher identifizieren, die mir alle sehr sympathisch waren.

Die Coolen

Befremdlich gekleidete Szene V.I.P.’s (selbsternannt?) stehen lasziv gequält umher und fachsimpeln. Wichtig ist, sich durch Optik oder Attitüde untereinander abzugrenzen. Man ist gern unter sich und nicht jeder kommt einfach so in diesen erlesenen Kreis. Da wird in Cliquen aufgeteilt und milde zu den Außenstehenden herüber gelächelt. Wer gerade kein Grüppchen zur Hand hat, tippt geschäftig auf seinem Endgerät herum. So vermeidet man, leidliche Gespräche zu beginnen. Außenstehende würden das alles ohnehin nicht verstehen. Die haben ja kein eigenes Thema…

Die Hacker

Das ist dann eher das Pendant zum Schachclub, allerdings mit modischen Frisuren und Designer Klamotten. In Gruppen scharen sie sich auf kleinstem Raum um ihre Laptops, zwinkern sich zu und kichern. Ab und an verfolgt einen im Vorbeigehen dieses Lächeln: „Du weißt nicht wer ich bin, dich kenne ich aber umso besser. Hätteste dich mal nicht ins offene WLAN eingeloggt!“

Die Gestressten

Sie sind sehr geschäftig. Bei dem enormen Angebot weiß man ja auch gar nicht wie man sich alles gleichzeitig anschauen soll. Sie rennen hektisch von Session zu Session, beflügeln die Kaffee Industrie und schmeißen sich von Zeit zu Zeit im Sturzflug in die chilligen Ecken, um sämtliche Akkus aufzuladen. Natürlich alles, ohne auch nur eine Sekunde mit dem Twittern aufzuhören. Glücklicherweise kann der geübte re:publica Besucher während seiner Session ja via Social Media und Livestream zeitgleich an den Anderen teilhaben.

Die Relaxten

Entspannt und locker schlurfen sie umher, schauen hier und da in die Sessions oder stehen souverän neben größeren Gruppen. In dieser Kategorie vermute ich die meisten Newbies, die insgeheim denken: „Was soll ich eigentlich hier? Egal, Pokerface aufsetzen, das wirkt als hätte man den vollen Durchblick!“

Die Partylöwen

Den Vormittag nutzen sie im Grunde eher, um in der Sonne oder in den Chillout Ecken wach zu werden. Schnell ist identifiziert, welche Aussteller gratis Versorgung anbieten und dann gibt’s kein Halten mehr. Meist kennen sie sämtliche offiziellen und inoffiziellen Rahmenevents und natürlich auch deren Initiatoren. Letzter Tweet meist aus einem Szene Club, den nicht einmal alteingesessene Berliner kennen.

Die Networker

Sie sind den ganzen Tag damit beschäftigt, Menschen kennenzulernen. Selbst auf dem Klo wird noch über die Seife geplaudert und zum Abtrocknen eine Visitenkarte gereicht. In den Sessions sitzen sie eigentlich nur, um beim Mailen ein wenig Ruhe zu haben.

Die Reputations-Junkies

Sie sind zu 95% damit beschäftigt, an jedem Grashalm über mindestens drei verschiedene Apps einzuchecken, so viele Hashtags wie möglich in einem Beitrag unterzubringen, immer da zu sein wo sich viele Influencer aufhalten und an jedem hippen Gegenstand ein Selfie zu schießen. Am Ende des Tages liest man ihre Timelines und fragt sich, wie es ein einzelner Mensch bloß schafft, sich in einem Radius von 10km zeitgleich an jedem wichtigen Ort aufzuhalten.

Die Reporter

Sie fallen einem nur auf, wenn sie plötzlich mit ihren Laptops in den Chillout Areas sitzen und stundenlang tippen, ohne ein einziges Mal aufzublicken. Später sieht man ihre Beiträge auf den populären Blogs und Nachrichtenportalen der Nation. Meine Fragen blieben offen: Warum habe ich keinen von denen in den Sessions gesehen? Müssen die nie auf’s WC? Saßen die nicht gestern schon so da?

Die Weltverbesserer

Sie sind engagiert und haben Ideale. Sie sind re:publica Besucher, weil sie etwas verändern wollen. Sie diskutieren gerne… und viel… Sobald die Abmoderation eines Vortrags beginnt, springen sie von ihrem Sitzplatz auf und recken ambitioniert den Zeigefinder in die Höhe. In ihren sozialkritischen Beiträgen prangern sie an und ergreifen auch gerne die Gelegenheit, die Referenten kurz nach Verlassen der Bühne für ein ganz persönliches Diskussionsforum abzugreifen. Achtung! Schlechte Witze über den Grillstand vermeiden – Stolperfalle!

 

Als Newbie auf der re:publica hat man die Qual der Wahl, welchen Gruppierungen man sich anschließt. Unabhängig von den eigenen Präferenzen kann ich nur empfehlen, für jede noch so irritierende Spezies „re:publica Besucher“ offen zu bleiben. Ihr habt die Chance, wirklich interessante Persönlichkeiten kennenzulernen und die verrücktesten Geschichten zu hören.

Zum Schluss noch ein paar Eindrücke aus verschiedenen re:publica Besucher Tweets.
Ob sie zu einer diese Gruppen gehören könnten?
Fallen euch weitere Prototypen ein?

 

 

 

 

 

 

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