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„Always On!“ – Kinder im Zeitalter der mobilen Medien

„Was gibt es Neues? Hat mir jemand geschrieben? Ach, noch eben die Mails checken“… Das Smartphone ist bei Kindern und Jugendlichen gar nicht mehr wegzudenken. Sie sind „Always On“. Um dieses Phänomen „Always On“ drehte sich die Medienpädagogischen Fachtagung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (kurz: LfM) in Düsseldorf.

Das Handy im Alltag von Kinder und Jugendlichen bringt einige Vorteile mit sich. Foto: Business Academy Ruhr

Im Alltag von Kinder und Jugendlichen bringt das Handy auch einige Vorteile mit sich. Foto: Business Academy Ruhr

Die Vorstellung der Ergebnisse des Forschungsprojektes „Mediatisierung Mobile – Handy- und mobile Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen“ der LfM stand dabei im Mittelpunkt. Praxisbeispiele rundeten die Veranstaltung ab.

Forschung im Mittelpunkt

Ziel der LfM-Forschung war es herauszufinden, wie Heranwachsende im Alter von acht bis 14 Jahren das mobile Internet nutzen und bewerten. Hier ein Auszug der detaillierten Fragen, die in der Studie und auf der Fachtagung beantwortet wurden:

  1. Wie integrieren Kinder und Jugendliche ihr Handy und das mobile Internet in ihrem Alltag?
  2. Welche Potenziale bietet die Handynutzung für die Kinder und Jugendliche?
  3. Welche Gefahren sind andererseits zu befürchten?
  4. Wie wird die Kommunikation und die Interaktion in Familie und Peer Group durch das Handy beeinflusst?
  5. Welchen Einfluss haben Eltern bzw. Peergroups auf den Umgang ihrer Kinder mit dem Smartphone?
  6. Welche Rolle spielen Normen im Freundeskreis?

Forschungsergebnisse kompakt

Die Forschungsergebnisse haben ergeben, dass besonders die Kommunikation mit Gleichaltrigen durch das Handy zunimmt. Keinen Internetzugang erleben die Kinder und Jugendlichen als persönliche Einschränkungen. WhatsApp-Gruppen der Klasse oder der Clique sind Alltag und wer da kein Smartphone hat, wird schnell ausgeschlossen. Damit die Handynutzung nicht exzessiv abhängig macht, ist eine fundierte medienpädagogische Erziehung wichtig.

Vor- und Nachteile der mobilen Handynutzung

Die Vorteile der mobilen Handynutzung zeigen sich vor allem in der erleichterten Kommunikation und der Organisation des Alltags. Schnell einmal etwas nachfragen, eine Verabredung organisieren oder im Notfall ein Hilferuf verschicken: Der Anschluss in der Peer Group und eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern sind nur zwei der vielen Vorteile der mobilen Handynutzung. Das „Always On“ birgt aber auch viele Nachteile in sich. Die Angst beispielsweise, etwas zu verpassen, wächst ebenso wie die Angst vor Ausschluss aus der gemeinsamen Kommunikation in der Gruppe.

Kinder und Jugendliche müssen lernen, die Handynutzung selber zu regulieren und nicht in eine exzessiv-abhängige Nutzung zu rutschen. „Always On“ wird als Norm in der Gruppe vorausgesetzt. Das fördert natürlich den Anpassungsdruck und steigert die Häufigkeit der Handynutzung automatisch.  Es ist „normal“ sofort zu antworten und sogar parallel mit anderen zu chatten, selbst wenn man gerade mit der Gruppe im realen Leben unterwegs ist.

Eltern mobil machen

Die Eltern sollten natürlich der erste Ansprechpartner sein, wenn es um die medienpädagogische Erziehung geht. Sie beeinflussen die Handynutzung des Kindes, denn sie fungieren als Vorbild und leben ihren Kinder eine bestimmte Kommunikationskultur vor. Wird das Handy als sinnvolles Mittel zur Kommunikation gesehen und für die Alltagsorganisation eingesetzt, dann verinnerlichen die Kinder und Jugendliche diesen Aspekt. Allerdings, so die Studie, fühlen sich viele Eltern häufig machtlos, überfordert und ohne Kontrolle. Denn das Smartphone ist für Eltern schwer zu kontrollieren. Aus diesem Grund ist eine gute Medienerziehung auch so wichtig, für eine umsichtige Handynutzung. Diese sollte sich nach den Bedürfnissen der Kinder richten, die abhängig von dem Alter und dem Entwicklungsstand ist. Bestimmte Regeln und ein reger Austausch zwischen Eltern und Kinder über Vorteile und Risiken fördern einen aktiven und reflektierenden Umgang mit dem Handy.

Handlungsanregungen für die Medienerziehung

Aus den Forschungsergebnissen ergeben sich medienpädagogische Handlungsfolgen für Eltern, Erzieher und die Medienpädagogik:

Die ganze Studie „Mediatisierung mobil“ der LfM kann hier runtergeladen werden!

Kreativ mobil mit Handysektor.de

Besonders begeistert hat mich der Beitrag von Markus Merkel von Handysektor.de. Sein Praxisteil lieferte jede Menge kreativer Ideen für die medienpädagogische Erziehung. Ob Handyfasten, Bastelideen oder der kreative Umgang mit der Smartphone-Kamera: Das alles hat mich besonders inspiriert. Handysektor bietet umfangreiche Informationen zu den Themen Datenschutz, gute und schlechte Apps, den neusten Geräten und Handyverträgen sowie zu Medienphänomenen wie Cybermobbing,  Sexting oder Stalking per Handy. Darüber hinaus werden Tipps im Umgang mit dem Smartphone gegeben, die für Eltern, Erzieher oder Kinder und Jugendliche gut geeignet sind.

Fazit

Die Medienpädagogische Fachtagung der LfM war auf jeden Fall eine Reise wert. Viel In-Put und noch mehr kreative Ideen: Einiges davon kann ich mit Sicherheit bei meinen Schulungen in Schulen integrieren. Denn meine Erfahrung ist: Wer Tipps im Umgang mit dem Handy, Vor- und Nachteile von Handynutzung und mögliche Gefahren der mobilen Handynutzung kreativ vermittelt, trifft den Nerv der Kinder. Sie zeigen Interesse und werden viel sensibler im Umgang mit ihrem Smartphone. Das ist wichtig.

„Always On“ ist ein Phänomen, das mehr und mehr die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen prägt. Auch die ARD/ZDF Online Studie 2015 bestätigt diese Entwicklung. Je früher sich Eltern und Kinder damit beschäftigen, desto eher führt dies zu einer sinnvollen Nutzung des Smartphones – nicht nur bei den Kindern. Wir freuen uns auch schon auf die nächste Fachtagung am 23.10 zum Thema „Geschickt geklickt“ über Internetsucht und Cybermobbing bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

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  • Dr. Marie Huchthausen arbeitet seit knapp 15 Jahren in den Bereichen Erwachsenenbildung, Hochschulen und Forschung.
  • Die renommierte Wissenschaftlerin und Trainerin entwickelt für die Business Academy Ruhr innovative eLearning Konzepte unter anderem für die Weiterbildung Social Media Manager (IHK).
  • Schwerpunkte ihrer Arbeit sind: eLearning, Didaktik, Online-Beratung, Coaching und Qualitätsmanagement.