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Mit Medienkompetenz gegen digitales Mobbing – „Hate Speech“ Workshop in Schulen

„Wir drücken wieder die Schulbank“ – Nicht ganz, aber das Team der Business Academy Ruhr zieht von Schule zu Schule. Der Auftrag: Kampf der Hassrede (Hate Speech) von Gruppen in sozialen Netzwerken. Aber Spaß beiseite: Noch bis Mai können sich Schulen beim Projekt BRICkS des Grimme-Instituts  für diese kostenfreien Hate Speech Workshops unter germany@bricksproject.eu bewerben. Unser Fazit: Es lohnt sich!

 

Hate Speech Workshop_2

Für Hate Speech sensibilisieren

Die ersten Workshops sind erfolgreich gelaufen. Scheinbar haben die Inhalte genau den Nagel auf den Kopf getroffen. Alle Schüler sind begeistert und voll bei der Sache. Das Beste ist: Ganz nebenbei gewinnen sie Medienkompetenz und im Umgang mit Hass-Kommentaren im Web sensibilisiert. Wie funktioniert der Workshop im Einzelnen? Die Workshops finden mit maximal 15 Schülern statt und werden immer von einem Medien-Profi geleitet. Auch die Lehrer sind herzlich eingeladen teilzunehmen und beteiligen sich oft.

Hate Speech Workshop_31. Schritt: Bestandsaufnahme. Wie erwartet nutzen die Schüler ab der 7. der Klasse fleissig Social Media Netzwerke, zumeist die Messenger WhatsApp und Snapchat. Doch auch Instagram und Facebook sind als App auf ihren Smartphones installiert. Gefahren bei der Nutzung? Darüber hatte sich bislang kaum einer Gedanken gemacht. Begriffe wie Shitstorm oder Hate Speech nur wenige Jugendlichen.  Deshalb stand als 2. Schritt die Aufklärung auf unserem Unterrichtsplan. Anhand von Beispielen zeigten wir auf, welche Gefahren und Risiken die sozialen Netzwerke in sich bergen. Das schockierte die Schüler zum Teil sehr. Davon hatte sie vor dem Workshop erstaunlicherweise noch nie gehört.

Digital Natives ohne Know How

Internetnutzung heißt für die Schüler häufig, einen Begriff bei Google eingeben, sich per WhatsApp oder Snapchat Nachrichten und Bilder zu schicken und fertig.

Dass es eine echte Recherche gibt bei den Suchmaschinen wie Zeit, Sprache, Bilder usw. war ihnen weitgehend unbekannt. Auch der Unterschied zwischen organischen und werblichen Anzeigen war vielen nicht deutlich, obwohl das Wort „Anzeige“ die Werbung kennzeichnet.

Umso interessierte lauschten sie unserem Vortrag, dem 3. Schritt. Toll!

 

Ein eigenes Blog – eine eigene Hate Speech Geschichte

Nach der Theorie brannte es den Schülern auf den Nägeln. Sie wollten endlich selbst aktiv werden und entwickelten im 4. Schritt eine Foto-Geschichte. Als Vorbereitung hatten wir schon im Vorfeld einen Blog mit WordPress aufgesetzt.

Hate Speech Workshop_4Ruck zuck hatten die Schüler im 5. Schritt eine eigene Geschichte entwickelt und Bilder und Texte produziert, die wir auf WordPress hochladen. Durch die eigene Geschichte bleibt Hate Speech kein abstrakter Begriff, sondern wird in den Alltag der Schüler heruntergebrachten und sie merken schnell: Hate Speech kann auch bei uns an der Schule stattfinden und wir wissen nun, wie wir damit umgehen können.

Hate Speech muss sich nicht nur auf die Flüchtlings-Thematik beschränken, es kann auch andere Merkmale betreffen. Es wird deutlich: es geht um Vorurteile, Zuschreibungen und Ausgrenzung und das findet – wenn auch im kleinen Rahmen – durchaus schon an den Schulen statt.

Beispiel: „Die Geschichte von Günther“ 

Günther ist ein 14-jähriger Junge, der sehr dick ist und auf der Schule keine Freunde hat.
Eigentlich kennen ihn die anderen Schüler gar nicht so gut, aber sie haben Vorurteile gegen Menschen, die fettleibig sind


In den Pausen sitzt er allein am Tisch und futtert aus Frust nur noch mehr.
Irgendwie muss er die Pausen ja überbrücken, so ganz allein.
Und somit gerät er immer tiefer in diesen Teufelskreis hinein.
Günther hat erfahren, dass einige Klassenkameraden die ganze Zeit über
eineWhatsApp-Gruppe miteinander schreiben,
die sich Anti-Fettsackgruppe nennt …

Und wie könnte die  Geschichte weitergehen? Die Schüler hatten sich zwei Lösungen überlegt.

Weitere Geschichten der Hate Speech Projektgruppen:

FAZIT:

Wie immer, wenn ich mit Kindern und Jugendlichen arbeite, bin ich begeistert von der kreativen Energie. Jede Gruppe entwickelte eine andere, interessante Story mit vielen Facetten. Es fiel ihnen auch nicht schwer, sich in die Betroffenen hineinzuversetzen. Diskriminierung, Ausgrenzung und Vorurteile im Netz sind Themen, die scheinbar jeder in irgendeiner Form schon kennengelernt hat. Nur die spezielle Form der Hassrede, die Gruppen verbreiten, war ihnen bis daton nicht bekannt. Erstaunlich war, dass die Schüler kaum wussten, welche Risiken das Internet, Apps und Messenger in sich bergen. An dieser Stelle würde ich mir mehr Projekte wie unseres wünschen, sodass auch jüngere Schüler wissen, warum sie sehr vorsichtig mit ihren Daten, Fotos und Videos umgehen müssen.

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  • Dr. Marie Huchthausen arbeitet seit knapp 15 Jahren in den Bereichen Erwachsenenbildung, Hochschulen und Forschung.
  • Die renommierte Wissenschaftlerin und Trainerin entwickelt für die Business Academy Ruhr innovative eLearning Konzepte unter anderem für die Weiterbildung Social Media Manager (IHK).
  • Schwerpunkte ihrer Arbeit sind: eLearning, Didaktik, Online-Beratung, Coaching und Qualitätsmanagement.